2020 – Ein Rückblick

Ich entschuldige mich hiermit: Wochenlang kommt nichts und dann auf einmal eine Wall of Text. Tut mir ja leid. 😀
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Den fleißigen Lesern unter euch, oder die, die mir bei Instagram und YouTube folgen, wird durchaus einiges bekannt vorkommen.
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Ich weiß auch nicht, für wen ich das geschrieben habe. Am Ende war ich so im Flow, dass ich glaube, dass ich den Text mehr für mich selbst geschrieben habe, als für euch.
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Ich habe auch kurz überlegt, ihn einfach in den Notizen zu belassen und nicht zu posten, aber irgendwie fand ich das auch nicht gut. So bleibt nun also jedem selbst überlassen, ob er es liest, wie weit, oder ob vielleicht auch gar nicht.
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In diesem Jahr muss man nicht mehr mit einem Blog-Post rechnen, außer Weihnachten entartet zu einem einzigen Drama, dann kommt bestimmt nochmal Gedankenkotze vor dem Jahreswechsel.
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Für den Fall, das Weihnachten aber doch ruhig und besinnlich wird (jetzt habe ich selbst kurz gelacht.. glaube ich erst, wenn es passiert ist. :D), wünsche ich euch hiermit schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch nach 2021. Möge 2021 für alle besser laufen, als 2020.
Passt auf euch auf und lasst euch nicht ärgern. Ihr seid gut wie ihr seid, egal was andere euch einreden wollen. ❤
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Und daaaaaaanke. Danke an jeden einzelnen Leser. 🙂 Ihr seid (noch) nicht Millionen, aber es ist schön zu sehen, dass ein paar von euch abonniert haben und regelmäßig vorbeischauen! Dank euch, macht das alles hier Sinn! Danke.
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Und nun geht es los. Viel Spaß mit der Wall of Text! Muhahahahaha.


Was ein Jahr…

Hätte mir letztes Jahr jemand gesagt, was dieses Jahr auf mich zukommt, ich hätte es nicht ernst nehmen können.

Alles auf einmal, war in meiner Welt nicht vorgesehen.

Nun ist es soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende und man blickt zurück auf den Wahnsinn, der im März ganz sachte anfing und bis zum November zum regelrechten Albtraum wurde. Aber irgendwie nicht nur zum Albtraum. Das alles hatte auch etwas positives.

Aber fangen wir vorne an. Macht Sinn, wenn man Geschichten erzählt, sie vorne anzufangen… habe ich mir mal sagen lassen, als ich versuchte meine verrückte und chaotische Gedankenwelt dazulegen. 😉


Mitte Januar habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt/erfüllen lassen: Den Ce-Führerschein. Ja, ich gehörte zu den Mädchen, die immer schon leuchtende Augen hatten, wenn die ganz großen Lkws vorbei fuhren. Ich weiß gar nicht, wie lange dieser Traum schon in mir war, dieses Jahr wurde er aber endlich Realität.

An dieser Stelle sei gesagt: Danke für diese Möglichkeit. Eigentlich hätte ich den Führerschein dieses Jahr abgearbeitet, weil ein Auftragsgeber so nett war, ihn erstmal zu zahlen, damit ich den Schein habe… konnt ja keiner ahnen, dass es so kommen würde. Dementsprechend ein dickes Danke, dass da trotzdem nicht nachträglich eine Rechnung kam. 😉 Ich revanchiere mich bestimmt irgendwann.


Gleichzeitig waren die Wintermonate aber auch die, in denen ich anfing, meinen Job zu hinterfragen. Die Monate zuvor waren anstrengend, in erster Linie psychisch. Glücklich hatte mich mein Job einige Monate schon nicht mehr gemacht. Es war ein lästiger Zwang aufzustehen, zur Arbeit zu fahren und meinen Aufträgen nachzugehen.

Etwas, was mir 2013 den Ausweg geboten hatte, war plötzlich das, wovon ich nur noch weg wollte.

Ich hatte beschlossen, langsam im Laufe des Jahres, in eine andere Richtung zu gehen. Meine bisherigen Auftragsgeber aufzugeben, oder weiter zurück zuschrauben. Ein anderes Standbein aufbauen. Eines, was mich wieder glücklich machen würde. 2021 wollte ich dann wieder etwas machen, woran ich Spaß habe und was mich am Ende des Tages mit Stolz erfüllen würde. So, wie ich es immer schon gemacht habe.


Es gibt Menschen, die mir oft gesagt haben, man müsse auch einfach mal in den sauren Apfel beißen und Dinge tun, die einem nicht gefallen. Bis zu einem gewissen Punkt mögen diese Leute auch Recht haben… aber im Gegensatz zu vielen dieser Menschen, weiß ich auch schon seit jungen Jahren, dass Geld und Bekanntheit nicht alleine glücklich machen. Man kann mal für einen kurzen Zeitraum etwas tun, was einem keinen Spaß macht. Wenn man es aber zu lange tut, macht es dich kaputt. Es frisst dich langsam von innen auf und bringt die schlimmsten Seiten in dir hervor.
Glaubt mir, die Erfahrung habe ich in jüngsten Jahren mehr als genug gemacht und mir dann irgendwann geschworen, mir nichts mehr anzutun, was mir schadet und mich nicht glücklich macht. Seitdem kommen das Leben und ich besser miteinander zurecht.


Im März hatte ich dann mein erstes Projekt, in dem ich auch den Lkw fahren musste. Alter, wie wir im Ruhrpott zu sagen pflegen! Alter, war ich stolz auf mich!
Darüber, dass ich beide Strecken gut gemeistert habe und im Dunklen alleine wieder in die enge Lücke eingeparkt habe. Doch auch, dass ich Projektleitung in einem Kinderheim gemacht habe. Einrichtungen, die nochmal einen erhöhten Förderbedarf mit sich bringen, haben mir immer Angst gemacht. Ich hatte Angst, dem nicht gerecht werden zu können. Gott war ich dumm mir das nicht zu zutrauen!
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Es war eine der besten und schönsten Projektwochen, die ich je hatte. Die Kinder und Jugendlichen haben super zusammen gearbeitet, aufeinander aufgepasst und eine großartige Show auf die Beine gestellt… die leider nur intern gespielt werden konnte. Aber ich sage euch: Die waren trotzdem stolz auf sich! Genau wie ihre Erzieher und ich.


In dieser Woche fing es dann aber an, dass das Jahr, Berg ab ging.
Erst hieß es: „Ein Projekt wurde abgesagt, Du kannst aber Ersatz haben.“

Vier Tage später waren alle meine Aufträge für das gesamte Jahr abgesagt worden.

Meine Existenz stand plötzlich auf der Kippe. Von heut auf morgen fehlte jedes Einkommen und das, wo ich doch gerade erst aus der mauen Wintersaison kam.
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Ab hier verschwimmen die Monate bis Anfang Juni. Ich befand mich irgendwo zwischen Angst, Hoffnung, Kampfesgeist und aufgeben wollen. Trotzallem habe ich mich psychisch aber in den Monaten der Ungewissheit, besser geschlagen, als ich es von mir selbst je erwartet hätte. Niemals hätte ich geglaubt, in solch einer Situation durchzuhalten und nicht einzuknicken.
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Während ich bis Anfang Juni dachte, dass es schlimmer nicht mehr kommen könnte, wurde ich am 5. Juni eines besseren belehrt.


Ich bin morgens aufgestanden und ein ganz neuer Albtraum begann. Vor Schmerzen gekrümmt, habe ich es kaum geschafft, durch meine Wohnung zum laufen. Die Schmerzen kamen vollkommen aus dem Nichts. Die Intensität war mit nichts vergleichbar. Nicht nur einmal in den folgenden Stunden, raubte mir der Schmerz, den Atem. Irgendwann zum Nachmittag lag ich zusammen gekauert in der Küche, Tränen überströmt und vollkommen überfordert und fertig. Ich hatte Angst um mein Leben.
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Es ist schwer einen Vergleich zu finden, denn ich weiß nicht, wie sich eine Messerstecherei anfühlt. Doch, das ist der einzige Vergleich, der mir dazu einfällt. Jemand, der mir immer und immer wieder mit tausenden, breiten Messern, in den Bauch sticht. Immer und immer wieder. Immer weiter. Ohne Pause. Mit jedem Stich mehr, konnte ich weniger atmen.
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Ich habe dann in lauter Verzweiflung und Panik mehrere nahestehende Leute angerufen, bis meine Mutter es war, die mich abholte und in die Notaufnahme brachte.
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Die lange Fassung dazu findet man schon auf meinem Blog.
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Die Kurzfassung: 6 Tage Krankenhaus ohne Antworten, dafür um die Erfahrung einer Magen- und Darmspiegelung reicher. Und um die Erfahrung, wie es ist, eine Panikattacke außerhalb der eigenen vier Wände zu haben. Auf einem dunklen Krankenhausflur, während Pfleger und Ärzte an mir vorbei laufen und sich keiner in der Verantwortung sieht, mal zu helfen. Stattdessen wurde ich hyperventilierend durch die gesamte Klinik, zurück auf mein Zimmer gefahren. Eine Erfahrung, die man mir hätte ersparen können, wäre man im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen geschult gewesen und hätte richtig reagiert.
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Mich wird dieses Krankenhaus nicht mal mehr tot zu Gesicht bekommen. Eher sterbe ich, als dort nochmal behandelt zu werden. So viel dazu.


Es folgten weitere zwei Wochen der Ungewissheit: Woher kamen die Schmerzen, wieso verschwanden sie dann mit einem Schmerztropf wieder komplett und kommen sie wieder?
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Die Antwort ist: Ja. Sie kamen auf den Tag genau zwei Wochen später.
Auch dazu habe ich schon viel in meinem Blog geschrieben:

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Plötzlich stand ein Verdacht im Raum: Endometriose.
Meine Symptome, die ich 15 Jahre mit mir geschleppt habe, hatten einen vorläufigen Namen bekommen. Die Symptome, die mir 15 Jahre lang nicht geglaubt, oder die klein geredet wurden.


Ab hier können wir die Monate Juli bis November zusammen fassen:
Verdachtsdiagnose im Op-Vorgespräch nochmal bestätigt bekommen. Dabei mit 25 Jahren zum ersten Mal gehört, dass ich vermutlich auch eine Gebärmutterfehlbildung habe. Mitte September die erste Bauchspiegelung.
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Endlich die gesicherte Diagnose: Ich habe Endometriose. Ich bin offiziell chronisch-krank. Ich habe mir meine Symptome nie eingebildet und sie waren auch nie so harmlos und normal, wie es mich drei Gynäkologinnen haben glauben lassen.
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In der erste Bauchspiegelung wurde viel Gewebe entfernt:
In und an der Gebärmutter, am Gebärmutterhals, an den Harnleitern, in der Scheide, an der Scheidenhinterwand, am Bauchfell, im Eierstock.
Inklusive dem Fund, dass die Endometriose den Darm befallen hatte. Ich bräuchte eine zweite Op.


In der ersten Bauchspiegelung wurde dann auch die Gebärmutterfehlbildung abgeklärt: Uterus Subseptus. Kurzfassung: Die Gebärmutter ist in der Mitte quasi „eingefallen“. Statt oben eine Kuppel zu bilden, habe ich eine Art „Herz-Vertiefung“. Deswegen nennt man es auch Herzförmige Gebärmutter.
Dieser Steg, der sich in der Mitte befindet, kann zu erschwerter Empfängnis und einer erhöhten Fehlgeburtenrate führen. Die Eileiter sind durchlässig, aber auch nur verzögert.
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Somit wurde ich mit 26 Jahren mit neuen Gedanken konfrontiert:
Will ich jemals Kinder haben? Kann ich mit dem verbundenen Risiko leben?
Viel mehr aber mit der Aussage mehrer Fachärzte: „Es weiß niemand, was das konkret für sie bedeutet. Man kann es nur ausprobieren und hoffen. Wenn es nach wenigen Versuchen nicht klappt, wäre dann der nächste Schritt, in ein Kinderwunschzentrum zu gehen.“
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Ich, die immer sagte, dass Kinder echt stark davon abhängig sind, ob man den richtigen Partner, oder die richtige Partnerin an seiner Seite hat. Für mich war es nie ein MUSS. Doch jetzt schien die Option plötzlich bedroht. Ich musste mich plötzlich damit auseinandersetzen, dass es in Zukunft, wenn ich irgendwann mal wieder einen tollen Menschen an meiner Seite habe, heißen wird: „Ich weiß nicht, ob ich dir Kinder geben kann. Kannst du damit leben?“


14 Wochen nach der ersten Bauchspiegelung, folgte die zweite. Vorher meine zweite Darmspiegelung. Wir wussten ja nicht, ob die Ärzte des ersten Krankenhaus nicht was übersehen haben. Ich kann an dieser Stelle verkünden: Ich habe Panikattacken, wenn ich aus Narkosen oder dem Dämmerschlaf erwache. Immer! Was lerne ich daraus? Jedem Pfleger und Arzt das unter die Nase reiben, damit ich vorher schon das LMAA-Zeug bekomme. LMAA? Leck mich am Arsch! 😀
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Meine zweite Bauchspiegelung brauchte 3 Chirurgen und dauerte 5 Stunden.
Danach war mein „Bauchfell gehäutet“ und die Blasenumschlagsfalte (ich sage euch, ich habe Begriffe gelernt, die kennt selbst Google nur in Verbindung mit Endometriose) von Endometriose befreit. Außerdem hat man sämtliche Organe voneinander getrennt. Meine Eierstöcke und Gebärmutter z.B. waren so miteinander verklebt, dass sie chirurgisch wieder getrennt werden mussten. Häufige Erscheinungsform bei Endometriose, dass Organe zusammen kleben.
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Doch die größte Neuerung: Mir wurden 30cm Darm entfernt. Der Abschnitt Appendix zu Dünndarm musste entfernt werden. Auf ihm saßen mehrere Endometrioseherde, die bei der kleinsten Berührung platzten, wodurch Blut in den Bauchraum lief. Die Herde hinterließen dann Narben auf dem Darm, weshalb sich die Spezialisten gegen den Darm-Chirurgen durchgesetzt haben und den betroffenen Abschnitt entfernt haben. Das Risiko, dass die Herde schnell wieder zurück kommen, wollten sie nicht eingehen. Zum Glück.


Nun sind 26 Tage seit dieser Op vergangen. Eigentlich esse ich noch Schonkost. Eigentlich sind die Nähte verheilt. Eigentlich warte ich noch 3 Wochen mit Sport. Eigentlich bin ich gerade in Reha. Eigentlich….Aber eigentlich ist dieses Jahr nicht so mein Stil. Eigentlich hätte ich ja auch eine Woche in der Klinik gelegen und wäre nicht nach 4 Tagen nach Hause gegangen. Gegen ärztlichen Rat. Eigentlich.
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Ich habe genug vom Warten. Ich habe genug vom Füße still halten. Ich habe genug vom hilflos sein. Ich habe genug davon, dass meine Eltern, die zur Risikogruppe gehören, für mich einkaufen mussten. Ich habe genug davon, von ihrer Rente zu leben, weil ich mich nicht dazu durchringen konnte, den Antrag beim Amt zu stellen.
Ich habe genug davon, eingeschränkt zu sein. Ich habe genug davon, ohne Sinn im Leben, zuhause zu sitzen.
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Ich will raus! Ich will leben! Ich will machen und tun! Ich will an meine Grenzen gehen! Ich will weit über meine Grenzen hinaus und daran wachsen! Ich will arbeiten! Ich will wieder den ganzen Tag gefordert werden! Ich will wieder gefördert werden! Ich will wieder stolz auf mich sein können!
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Ich will wieder die Marie sein, die früher total sportlich war, bis genug Leute ihr eingeredet hatten, dass sie trotzdem hässlich und fett ist.
Ich will wieder die Marie sein, die nicht nur Träume hat, sondern dafür kämpft.
Ich will wieder die Marie sein, die es geliebt hat, im Mittelpunkt zu stehen, als sie noch ein Kind war.
Ich will wieder die Marie sein, die glücklich und unbeschwert leben kann.


Ich habe Jahre gebraucht, um im Freundeskreis darüber zu reden, wie schwer ich psychisch erkrankt bin. Ich habe Jahre gebraucht um zu erkennen, dass ich es wert bin zu leben und geliebt zu werden.
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Ich habe Jahre gebraucht, bis ich auf Instagram und YouTube, öffentlich, meine Geschichte erzählt habe. Erzählt habe, was in meinem Leben passiert ist und wie ich mich durch die größten Tiefen gekämpft habe. Ich habe Jahre gebraucht um dazu zu stehen. Öffentlich, für jeden angreifbar, dazu zu stehen, was ich schreibe und poste.
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Ich habe Jahre gebraucht um es auf den Punkt genau auszusprechen, dass ich zwei Suizidversuche überlebt habe.


Heute ist der Tag, an dem ich es auch klar in meinem beruflichen Umfeld kommuniziere. Nicht mit Kunden, soweit bin ich dann noch nicht. 😉
Aber mit Kollegen. Mit Auftragsgebern. Den Menschen, die mich seit 7 Jahren durch mein Leben begleiten, eng mit mir zusammen gearbeitet haben und eine Handvoll von ihnen, auch zu guten Freunden wurden.
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Für mich hat sich dieses Jahr alles verändert.
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Ich werde auch weiterhin erst einmal nicht in meinen Job zurück kehren können, dank so einer komischen Pandemie… oder viel mehr all den Deppen, die für sich Ausnahmereglungen erschaffen und ihre sozialen Kontakte nicht auf ein Minimum zurück schrauben wollen.
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Ich werde vielleicht auch nie wieder im vollen Umfang in meinen Job zurück kehren können. Ich habe einen Körper, der mich 15 Jahre lang durch‘s Leben getragen hat, obwohl ich ihn mit Schmerzmitteln zu gedröhnt habe. Obwohl ich ihm absichtlich Verletzungen zugefügt habe. Obwohl ich ihm 13 Jahre voller Essstörungen zugemutet habe. Der jetzt noch zwei große Op‘s über sich ergehen lassen musste und wo ich selbst jetzt, nicht so 100%ig gnädig und respektvoll zu ihm war.
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Ich werde in Zukunft einen Gang zurückschrauben müssen, wenn ich möglichst lange Symptomfrei leben möchte. Vor allem, wenn ich möchte, dass er auch mit 90 noch möglichst gut funktioniert.
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Für mich steht eine komplette Neuorientierung an. Ich werde alles, was ich bisher für normal erachtet habe, über den Haufen werfen müssen. Ich werde mir einen neuen Job suchen müssen, der mich glücklich macht, aber etwas weniger körperlich fordert.


Für mich steht die härteste Zeit jetzt wahrscheinlich erst bevor.
Doch ich bin bereit!
Die letzten 9 Monate waren ein Albtraum mit vielen Tiefen… und ich habe jede einzelne überlebt. Jedes Tief habe ich hinter mir gelassen. Ich habe schlimmeres im Leben überlebt. Ich habe zwei Suizidversuche überlebt…
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Ich kann alles schaffen und das werde ich!
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Leben – Ich komme!

Ein Wort zur Sprechstunde von EureMütter

Wer nicht weiß wovon ich rede, folgt am besten dem Link zum YouTube-Video von EureMütter. https://youtu.be/ycQR6T4Rrs0

Ich habe so eben die aktuellste Sprechstunde von EureMütter nachgeschaut.
Dabei schossen mir irgendwann viele Gedanken und noch mehr Worte durch den Kopf, die ich erst als Kommentar unter deren Video posten wollte, mich aber nun doch dazu entschieden habe, sie auf diesem Wege mit euch zu teilen. Beim schreiben dieses Blog-Eintrages, wurde das ganze dann auch noch länger, weshalb es wohl gut ist, es hier zu teilen. 😉

Seit einigen Jahren begleiten mich die Videos/Programme durch mein Leben. Es war damals ein Zufallstipp von einer Bekannten. Gerade in schwierigeren Zeiten war es immer wieder schön, die ganzen YouTube-Videos nochmal anzuschauen, um ein wenig auf andere Gedanken zu kommen. Für den Moment mal lachen zu können. Bisher hatte ich es nicht zu den Live-Shows geschafft, was mich jetzt umso mehr ärgert. Deshalb bin ich aber nun, umso dankbarer für die Sprechstunde gewesen, weil diese für den Moment, auch mal den Kummer und die Sorgen, vergessen macht.

Bis zur Sprechstunde heute… Ab hier folgt das, was gerade zu so aus mir heraus sprudelte und ich entschuldige mich für die Länge des Textes.

Danke für diese offenen Worte und Einspieler zur Bedrohung unserer Kultur und Kunst! Mir hat es zwischendurch die Tränen in die Augen getrieben, mal wieder zu sehen, wie sehr der Staat gerade versagt, uns freischaffenden in der Kunst- und Kulturbranche, zu unterstützen.

Ich bin selbst freiberufliche Zirkuspädagogin und lebe seit März ohne jede Einnahmen. Als ich die Corona-Soforthilfe beantragt habe, hieß es noch, man könne diese auch für die Privatkosten nutzen. Mittlerweile bin ich mit ca. 7.000€ beim Staat verschuldet, weil ich von dieser Soforthilfe gelebt habe und als Solo-Selbstständige natürlich die wenigstens Ausgaben, wirtschaftlicher Natur sind. Mir blieb nicht viel Alternative, als von der Soforthilfe zu leben, aus diversen Gründen.

Als ich vor 7 Jahren meine Job begonnen habe, stand ich ohne Schulabschluss und Ausbildung da. Wäre ich nicht den Weg der Selbstständigen gegangen, so hätte ich damals Staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, da ich damals, mit zarten 18 Jahren, schon schwer psychisch krank war und mich nicht, mal eben so, in reguläre Jobs oder Ausbildungen einfügen konnte/kann. Ich hätte vermutlich Jahrelang dem Staat auf den Taschen gelegen.

Stattdessen bin ich in die Kunst-, Kultur- und Veranstaltungsbranche gegangen, als Freiberuflerin. Ich habe mir die Jahre den A*** aufgerissen, um keine Hilfen zu brauchen und es klappte. Von früh bis spät, teils 12 Wochen am Stück mit vielleicht mal eins, zwei freien Tagen, habe ich schwer körperlich und geistig gearbeitet. Meist mit Verantwortung für viele, viele Menschen. Ich habe den Job geliebt, egal wie anstrengend er war und ich konnte alleine mein Geld erwirtschaften, meine Steuern zahlen, etc. Ich brauchte keine Hilfe.

Nun bin ich dieses Jahr unverschuldet in eine existenzielle Schieflage geraten. Binnen von 4 Tagen, waren alle Aufträge abgesagt und ich hatte keine großen Rücklagen. Zirkus ist Saisonarbeit, sprich der Winter ist Mau. Man kommt aus der Wintersaison, will im Sommer das Geld für den nächsten Winter erwirtschaften und plötzlich ist nichts mehr da. Jetzt bin ich, wie gesagt, alleine psychisch bedingt, schon schwer krank und kann nicht mal eben einen neuen Job suchen. Hab ich probiert, aber war nicht möglich etwas passendes zu finden. Mal eben Hartz4 zu beantragen, geht dann aber auch nicht, weil man als psychisch erkrankter Mensch, alles und jedem Rechenschaft schuldig ist, wieso weshalb warum, man nicht arbeiten kann, etc. Im Zweifel bekommt man sogar eine Betreuungsperson vom Amt vorgesetzt. Ob ich vorher 7 Jahre lang als Freiberuflerin, ohne Probleme, mein Leben selbst managen konnte, zählt nicht.

Es kam dann natürlich wie es kommen musste: Nach monatelangem zuhause hocken und nicht vor und nicht zurück können, wurde ich auch noch zum gesundheitlichen Notfall. Seit Juni war ich zweimal stationär im Krankenhaus. Einmal als Notfall, einmal für eine Bauch-Op. Diverse Zwischenbesuche für Untersuchungen. Diverse Besuche bei niedergelassenen Ärzten.

Mittlerweile bin ich diagnostiziert mit einer schweren-chronischen Erkrankung, die schon viel Last auf die Schultern legt. Mit gerade einmal 26 Jahren stehe ich urplötzlich vor Dingen wie: „Vielleicht kannst Du niemals Kinder bekommen, wegen der Erkrankung“, „Du musst Medikamente nehmen, die Du nicht nehmen willst, weil es keine anderen Therapiemöglichkeiten gibt“, „Wenn Du Pech hast, hält das Ergebnis der Op nur kurz an und die Erkrankung zerfrisst deinen Körper schon wenige Wochen später, erneut“.

Nun folgt dem ganzen Theater noch eine Darm-Op. In zwei Wochen werde ich wieder ins Krankenhaus müssen und dort etwa 2 Wochen bleiben. Je nachdem was bei den Untersuchungen und der Op herauskommt, gibt es sogar noch einen künstlichen Darmausgang, quasi als Kirsche auf der ganzen Sch***, kostenlos oben drauf.

Seit Juni dreht sich alles darum, dass ich mein restliches Leben mit einer sch*** Erkrankung leben muss. Doch anstatt mich voll darauf konzentrieren zu können, muss ich parallel zwischen meinen Klinikaufenthalten und Op‘s, Anträge beim Steuerberater in die Wege leiten lassen; mich mit Hartz4 auseinander setzen; Antrag auf Behinderung stellen, etc.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als arbeiten zu können. Seit März sitze ich zuhause, ohne große Soziale Kontakte und muss sehen, wie ich diese Krise überstehe. Ich würde zu gerne in meinen Job zurück kehren, weiß aber, dass mein Job auch in 2021 vermutlich nicht stattfinden wird. Nicht Systemrelevant genug. Ich würde gerne in einen anderen Job, der mir Spaß machen könnte… Doch zwischen „wir haben aktuell keine Stellen“ und „Ich muss ihnen leider den angebotenen Arbeitsvertrag absagen, weil ich das restliche Jahr mit Krankenhausaufenthalten fülle“, ist es mir aktuell nicht möglich, auch nur die simpelsten Jobs durchzuführen. Ich will, kann aber nicht regulär arbeiten, egal wie ich es drehe und wende.

Mein Schicksal mag als „Einzelfall“ zu betrachten sein, wenn es um die psychischen Vorerkrankungen und das plötzliche Versagen meiner Gesundheit, geht. Kein Einzelfall bin ich aber dahingehend, dass gerade sämtliche meiner Kollegen ohne Job da stehen, oder sich mit Aushilfsjobs in Gärtnerein, Supermärkten, etc. über Wasser halten.

Mir fehlt aktuell die Kraft dafür, für meine wirtschaftliche Existenz auf die Barrikaden zu gehen. Ich kann es einfach nicht stemmen, zwischen all dem anderen Chaos, auch noch dafür aufzustehen und darum zu kämpfen. Klar, ruht es sich auch „bequemer“, wenn man weiß, dass da noch ein paar Menschen mehr sind, denen es genauso geht wie mir, die aktuell laut sind und für dieses große Gesellschaftliche Problem einstehen. Doch am Ende des Tages ist es wohl ein Geben und Nehmen: Die einen sind laut und kreiden öffentlich an, und die anderen verbreiten diese Message.

Eine gesamte Branche geht aktuell vor die Hunde und Fälle wie meiner, sind keine absolute Ausnahme. Doch die Politik? Die schafft es nicht einmal, finanzielle Hilfen zu stellen, die uns zumindest für ein paar Wochen, Sorgenlos einschlafen lassen.

Danke EureMütter, dass ihr eure Stimme nutzt und für unsere Branche einsteht. 🙂

Seit 6 Jahren Suizid- Überlebende und immer noch glücklich

Triggerwarnung:
Im heutigen Blog-Eintrag geht es um das Thema Suizid und dass es nicht selbstverständlich ist, glücklich zu sein. Solltest Du betroffen sein und dich leicht triggern lassen, pass bitte auf dich auf und lese diesen Beitrag nur, wenn Du Dich wohl damit fühlst.

Solltest Du das Gefühl haben, Hilfe zu brauchen, findest Du diese bei der Telefonseelsorge: https://www.telefonseelsorge.de/international-helplines/

Desweiteren habe ich für Angehörige einen Blog-Eintrag verfasst, wie man Suizidabsichten erkennen kann und was man tun sollte:
https://kleinekaeferin.blog/2020/09/10/welttag-der-suizidpraevention-anzeichen-und-hilfe/
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Du bist nicht alleine und Du kannst den Kampf gegen die Ausweglosigkeit gewinnen!

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Ungefähr genau jetzt, vor 6 Jahren, habe ich versucht mein Leben zu beenden. Ich habe mit 20 Jahren, meinen ersten Suizidversuch unternommen.

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Ungefähr genau jetzt, vor einem Jahr, habe ich das erste Mal gesagt, dass ich mein Leben liebe. Dass ich es gerne lebe und froh bin, überlebt zu haben. Ich habe gesagt, dass ich meine größte Angst überwinde, genau das laut auszusprechen, so dass Leute es hören und lesen können.

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Bis dato war meine Erfahrung immer die, dass sobald ich so etwas ausgesprochen hatte, das Leben wieder in einer Katastrophe endete. Immer, wenn ich bis dahin gesagt hatte, dass ich mein Leben mögen würde, kam irgendein neues Drama auf. Irgendwas, was mich wieder aus dem Leben geworfen hat.

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Ich bin dieses Jahr über mich hinaus gewachsen. Nicht nur, dass ich so offen über mein Leben und meine persönlichsten Gedanken und Gefühle erzähle. Vor allem bin ich über mich hinaus gewachsen, weil mich 2020 nicht klein bekommen hat.

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Im März kam plötzlich das Aus für meine Existenz. Keinerlei Aufträge mehr für‘s Jahr. Seit dem lebe ich finanziell in einer einzigen Katastrophe. Zum aktuellen Zeitpunkt schulde ich dem Staat etwa 7.000€, die bis März beglichen sein müssen. Aktuell lebe ich sogar von der „Rente“ meines Vaters (er arbeitet ja noch weiter als Freiberufler), was er sich zum Glück gut erlauben kann, mich mit zu finanzieren, bis Soforthilfen und/oder Hartz4, endlich bewilligt sind.

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Nachdem die anfängliche Jobsuche komplett scheiterte, weil ja niemand wusste, wie es wirtschaftlich weitergeht, kam dann das Aus für meine „Gesundheit“.

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Plötzlich ein Aufenthalt in der Notaufnahme, weil ich vor Schmerzen nicht mehr stehen konnte. 6 Tage Klinik ohne Antworten. Gefolgt von Monaten der Verdachtsdiagnose, bis zur endgültigen Klarheit, durch eine Bauchspiegelung: Tief-infiltrierende Endometriose Stufe 4, Adenomyose und ein Uterus Subseptus.

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Kurz vor der Op, ein zweiter Anlauf, einen Job zu finden. Ich hatte sogar schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Dann die Nachricht, die ich nicht erhofft hatte: Der Darm ist mit Endometriose befallen. Es folgt eine Darm-Op, mit eventueller Stoma-Legung.

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Nicht nur schwer-chronisch krank. Nein, auch noch eine weitere Op, die mich vielleicht dazu bringt, in Zukunft in einen Beutel zu schei*en. Der Job hatte sich erledigt. Zwischen Bauchspiegelung und Darm-Op hätte ich mich niemals auf einen neuen Job konzentrieren können. Ich war teils mit mir selbst schon überfordert.

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Nun sitze ich hier… Die Bauchspiegelung ist 7 1/2 Wochen her, die Darm-Op ist in 3 Wochen. Und es geht mir gut.

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Ich bin zufrieden mit mir und dem, wie es mir geht. Ich mag mich. Ich mag mein Leben. Ich habe die Krise überstanden. Mit kleineren Dramen, doch ich habe überlebt. Kein tiefer Absturz, an dem ich ungebremst auf den Boden schlage und wieder alles verloren habe.

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Ich habe dieses Jahr viel verloren. Meine Existenz, die ich mir 7 Jahre hart erkämpft habe und mit der ich 2019 endlich ganz alleine, auf eigenen Beinen stehen konnte. Meine Gesundheit, die zwar schon lange sehr kaputt war, aber die nun endgültig mit einer Diagnose zu Nichte gemacht wurde, die nicht mehr verschwindet.

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Ich habe die zwei wichtigsten Dinge im Leben verloren. Job und Gesundheit.

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Trotzdem geht es mir gut. Meine Psyche hat das alles überstanden.

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Ja, ich hatte dieses Jahr Suizidgedanken. Verständlich, wenn man mich fragt. Ich hab es Jahrelang nicht besser gewusst, als zu flüchten, wenn alles zu viel wurde. Jahrelang war es das normalste für mich, mich selbst für jedes Scheitern zu verurteilen. Mich selbst zu bestrafen. Mich verbal selbst nieder zu machen. Mir selbst Verletzungen zu zufügen. Meinen Kopf gegen die Wand zu Hämmern, wenn ich wieder mal zu blöd zum Leben war.

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Irgendwann wollte ich nicht mehr. Ich hatte noch Kraft, dass wusste ich, aber ich wollte das alles nicht mehr ertragen. Ich habe mir versucht das Leben zu nehmen, wenn nichts mehr ging.

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Somit war es nicht verwunderlich, dass diese Gedanken auch dieses Jahr aufkamen, als plötzlich alles, in wenigen Monaten, steil Berg ab ging.

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Ich habe überlebt. Doch viel mehr als das: Ich liebe noch immer mein Leben. Mit all den Schikanen, die es für mich bereit hält. Ich bin zufrieden mit mir und dem Leben, dass ich habe. Meine Psyche ist stärker aus diesem Jahr hervor gekommen, als ich es je hätte ahnen können.

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2020 hat mich stärker gemacht. Es hat mich abgehärtet. Es hat mir alles wichtige genommen und trotzdem hat es mir auch das größte Geschenk gemacht: Mir die Kraft zu geben, das alles zu überleben. Das Selbstbewusstsein zu geben, offen darüber zu reden und kein Geheimnis daraus zu machen, dass nicht immer alles gut ist, sondern man manchmal auch einfach vom Pech verfolgt zu sein, scheint.

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Ich bin seit 6 Jahren Überlebende von zwei Suizidversuchen und unzähligen Suizidgedanken. Ich habe das Recht auch weiterhin glücklich zu sein. Das ist, was 2020 mir gelehrt hat.

Welttag der Suizidprävention – Meine Suizidversuche

Ja, der Beitrag war schon im September online.. Ich hab ihn ausversehen gelöscht und musst ihn somit nochmal neu posten. Upppsiii.
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Triggerwarnung
: Der folgende Blog-Eintrag ist am 10. September 2020 online gegangen. Heute ist der Welttag der Suizidprävention. Sollte Dich das Thema triggern, bitte ich Dich, nicht weiterzulesen.

Solltest Du das Gefühl haben, Hilfe zu brauchen, findest Du diese bei der Telefonseelsorge:
https://www.telefonseelsorge.de/international-helplines/

Desweiteren habe ich für Angehörige einen Blog-Eintrag verfasst, wie man Suizidabsichten erkennen kann und was man tun sollte:
https://kleinekaeferin.blog/2020/09/10/welttag-der-suizidpraevention-anzeichen-und-hilfe/
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Du bist nicht alleine und Du kannst den Kampf gegen die Ausweglosigkeit gewinnen!

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05. November 2014 + 13. bis 19. April 2015

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Bald sechs Jahre ist mein erster Suizidversuche her, etwa 5 1/2 Jahre der zweite.
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Ich kann mich an den ersten Suizidversuch noch genau erinnern. Stundenlang saß ich in dem Gästezimmer meiner Eltern und wartete darauf, dass beide endlich nach oben in ihr Schlafzimmer verschwinden und schlafen gehen. Gegen 22 Uhr klopfte mein Vater nochmal um mir eine gute Nacht zu wünschen. Hätte er gewusst, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass ich versuche mir das Leben zu nehmen… er hätte vermutlich versucht etwas dagegen zu unternehmen.
Irgendwann nach Mitternacht verschwand dann auch endlich meine Mutter ins Bett.
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Zu dieser Zeit wohnte ich quasi wieder bei meinen Eltern. Offiziell war ich weiterhin in Berlin, in der gemeinsamen Wohnung von meiner besten Freundin und mir, gemeldet, aber Ende 2014, verbrachte ich die meiste Zeit über 500km entfernt, im Elternhaus. Erst immer nur dann, wenn ich in NRW arbeiten musste, später war ich auch so immer häufiger und länger dort. Zu dem Zeitpunkt meines ersten Suizidversuches war in meinem Leben alles schief gelaufen, was schief laufen konnte.
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März 2014 war ich mit meiner besten Freundin nach Berlin direkt an den Kotti gezogen. Am Anfang war alles super. Ich hatte mein Freiberuflerleben gerade auf die Beine gestellt, wollte meinen Schulabschluss nachholen und hatte schnell neue Kontakte geschlossen. Leider kippte alles schon Ende April, Anfang Mai zum negativen. Meine Schulerfahrungen von früher, wurden in der Abendschule so sehr getriggert, dass ich mich von jetzt auf gleich, nach Jahren wieder selbstverletzt hatte. Es folgten Monate der Depressionen, Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten, etc. Irgendwann hatte ich die Abendschule abgebrochen, hatte meine Aufträge abgesagt und war bei meiner besten Freundin verschuldet, weil ich die Miete nicht mehr zahlen konnte. Ich hatte das Gefühl alleine zu sein mit meinen Problemen und nicht die Hilfe zu bekommen, die ich gebraucht hätte.
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So summierten sich alle Probleme solange auf, bis ich in der Nacht vom 5. auf den 6. November 2014 einen ersten Suizidversuch unternahm.
Nun war meine Mutter vor etwa 30 Minuten im Schlafzimmer verschwunden und es schien, als würden meine Eltern schlafen. Ich konnte mich endlich umbringen.
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Das genaue wie, werde ich an dieser Stelle auslassen. Tatsache ist: Mitten im Suizidversuch merkte ich, dass ich es auf diese Art nicht schaffen würde, den Suizid wirklich zu vollenden. Ich war selbst für einen Suizid zu dumm und schwach. Konnte ja sonst schon nichts in meinem Leben, aber selbst zum sterben, hat es nicht gereicht.
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Am nächsten Morgen bin ich aufgestanden und habe getan, als wäre nie etwas gewesen. Ich war Abends sogar auf dem Linkin Park-Konzert, das mir mein Bruder zum Geburtstag, Monate zuvor, geschenkt hatte.
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Eigentlich besserte sich meine Situation in den folgenden Monaten. Ich zog zurück zu meinen Eltern, hatte wieder Aufträge und fühlte mich langsam besser.
Im April 2015 ließ ich mich aber von einer Sache nochmal so triggern, dass ich einen zweiten Suizidversuch unternahm.
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Ich weiß noch, warum ich mir damals das Leben nehmen wollte. Ich werde es an dieser Stelle allerdings nicht näher ausführen, was die Gründe waren, weil Menschen aus meinem Umfeld involviert waren. Die Art und Weise war die Gleiche wie beim ersten Mal, allerdings muss ich sagen, ist sonst nicht viel in Erinnerung geblieben. Aus welchen Gründen auch immer, ist der zweite Versuch nur noch ganz blass in meinem Kopf. Ich weiß, warum und wie, aber sonst nichts. Nicht mal das ganz genaue Datum erinnere ich. Ich kann nur einen ungefähren Zeitraum von einer Woche, in der es passiert sein musste, ausmachen, weil ich die Woche danach arbeiten musste.
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Ich erinnere mich, wie ich in der Woche drauf, die Spuren meines Suizidversuches verdecken musste, damit die Kunden es nicht sehen. Ich musste Teile meiner Geschichte verstecken. Tagsüber immer ein Lächeln im Gesicht, abends musste ich die Überbleibsel meines Suizidversuches versorgen und pflegen. Nur durch diese Erinnerung kann ich noch ausmachen, in welcher Woche der zweite Suizidversuch stattgefunden hatte.
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Vielleicht fehlt mir die Erinnerung, weil ich diesen Suizidversuch nie so richtig ernst genommen habe. Irgendwie war es immer „der Suizidversuch, der gar nicht so richtig ernst gemeint war“.
„Also, wenn ich gewollt hätte, hätte ich von Anfang an effektiver agieren können.“
Das war in etwa das, was ich Jahrelang über diesen zweiten Versuch gedacht habe. Mittlerweile sehe ich das Ganze etwas anders. Ja, ich hätte „effektiver“ agieren können, wenn ich wirklich sterben hätte wollen. Doch ein Suizidversuch ist ein Suizidversuch und wird immer ein solcher bleiben. Egal, wie ernst man ihn meint, oder wie „effektiv“ man ihn angeht. Der Gedanke sein Leben zu beenden und dann Taten zu unternehmen, die zum Tode führen KÖNNTEN, bleiben ein Suizidversuch.
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In beiden Fällen habe ich mit niemandem darüber geredet. Ich habe mein Leben weitergelebt, als wäre nie etwas gewesen. Ich bin arbeiten gegangen, habe Freunde getroffen und mit meinen Eltern für ein gutes 3/4 Jahr zusammen unter einem Dach gelebt. Ich hatte niemandem erzählt, an welchem dunklem Moment ich in meinem Leben war… und das zwei Mal.
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Einige Monate später habe ich das erste Mal, anonym, auf Instagram und meinem damaligen Blog über meinen Suizidversuch gesprochen. Damals habe ich das alles nur angedeutet dargestellt. Ausgesprochen, was es wirklich war, habe ich nicht. Das hat Jahre gedauert. Leider kann ich heute nicht mehr erinnern, wann ich, wie genau, offen erzählt habe, dass ich zwei Suizidversuche überlebt habe. Ich meine, es wäre als erstes über Instagram passiert.
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Irgendwann, lange Zeit nach den Versuchen, habe ich es meinen engsten Freunden „angedeutet“. Es hat Jahre gebraucht, bis ich sicher wusste, dass mein engster Freundeskreis weiß, dass ich zwei Suizidversuche überlebt habe. Und auch heute bin ich unsicher, ob ich es je klar ausgesprochen habe, oder ob die Betreffenden es auch über Instagram/Youtube und meine Andeutungen erfahren haben. Es beim Namen nennen fällt schriftlich zehntausend mal einfacher, als von Angesicht zu Angesicht.
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Heute bin ich 26 Jahre jung und Überlebende. Überlebende von zwei Suizidversuchen. Für Menschen, die so etwas nie am eigenen Laib erfahren mussten, klingt sowas oft übertrieben und irgendwie pathetisch. Für Menschen, die selbst durch ähnlich dunkle Zeiten gehen mussten, ist oft verständlich warum man den Begriff „Überlebende“ wählen kann und sollte.
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Etwas überlebt haben, wird oft mit einem schweren Kampf gleichgesetzt. Nichts anderes sind Suizide. Die wahrscheinlich schwersten Kämpfe, die Menschen kämpfen können. Gegen den eigenen Kopf ankämpfen und die Oberhand über die dunkle Stimme im Kopf gewinnen, ist schwieriger, als die meisten Leute meinen. Die einen gewinnen den Kampf, in dem sie weiterleben. Die anderen, in dem sie von ihrem Leid befreit sind.
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Ich habe den Kampf überlebt…indem ich weiterlebe. An vielen Tagen weiß ich, warum es gut ist, dass ich den Kampf überlebt habe. Doch an manchen Tagen frage ich mich auch heute noch, wieso ich damals überlebt habe. Der Kampf gegen die eigenen Suizidabsichten ist ein Lebenslanger Kampf. Egal wie viele Jahre seit dem Suizidversuch vergangen sind: Die Erinnerung an den größten Kampf des Lebens, wird man für immer in sich tragen.

Wieso ich öffentlich über meine Erkrankungen schreibe

Triggerwarnung:
Im heutigen Blog-Eintrag geht es um Suizide und die Aufklärung über solche. Solltest Du betroffen sein und dich leicht triggern lassen, pass bitte auf dich auf und lese diesen Beitrag nur, wenn Du Dich wohl damit fühlst.

Solltest Du das Gefühl haben, Hilfe zu brauchen, findest Du diese bei der Telefonseelsorge: https://www.telefonseelsorge.de/international-helplines/

Desweiteren habe ich für Angehörige einen Blog-Eintrag verfasst, wie man Suizidabsichten erkennen kann und was man tun sollte:
https://kleinekaeferin.blog/2020/09/10/welttag-der-suizidpraevention-anzeichen-und-hilfe/
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Du bist nicht alleine und Du kannst den Kampf gegen die Ausweglosigkeit gewinnen!


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Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich verdeutlicht bekommen habe, wieso ich das hier eigentlich mache. Wieso ich seit Jahren für jeden sichtbar poste, was ich für Hürden im Leben mitnehmen muss. Wie ich mit meinen psychischen Erkrankungen und meiner „neuen“ chronischen Erkrankung lebe.

Wieso ich das alles öffentlich, mit meinem Gesicht, schreibe, obwohl Arbeitskollegen und Kunden mitlesen.

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„Wir haben seit Beginn von Corona, so viele Suizide gefahren, wie noch nie.“

Zitat meines Bruders, der bei der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr ist. Das Gespräch ging dann einige Minuten darum, dass hier im Stadtgebiet, die Suizidzahlen wohl angestiegen sein. Durch Aussagen von denen, die im Rettungswesen tätig sind, erfährt man viele solcher Dinge, die die Öffentlichkeit normalerweise nicht mitbekommt.

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„Ja, aber wer sich das Leben nimmt, hat doch se doch eh nicht mehr alle beisammen. Also sie sind doch eh komplett bekloppt in der Birne.“

Zustimmung von allen am Tisch, außer meiner Schwägerin und mir. Wir beide arbeiten im sozialen/pädagogischen Bereich. Die im Kinderheim, ich seit Jahren an Schulen, Kitas, Heimen, Jugendeinrichtungen… aber auch schon an Kinder- und Jugendpsychiatrien. Wir beide wissen, dass Suizide nicht nur von denen unternommen werden, die „komplett“ bekloppt sind.

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Sie weiß es aus ihrer Arbeit, ich vor allem aus eigener Erfahrung. 2014 und 2015 habe ich zwei Suizidversuche unternommen. Beide im Haus meiner Eltern, als sie daheim waren. Beide Male, als ich nach außen hin zwar eine schwere Zeit hat, aber vermeintlich zurecht kam.

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Beim ersten Mal war es eine Monatelange Ansammlung von Belastungen und dem nicht mehr wollen. Ich konnte noch, dass wusste ich. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits 7 Jahre gegen meine Psyche gekämpft, da würde ich auch noch länger kämpfen können… aber ich wollte nicht mehr. Die Gedanken waren schon öfter zuvor da, an dem Tag war es dann aber klar. Stundenlang stand der Entschluss fest und ich habe stundenlang gewartet, bis ich sicher war, meine Eltern schlafen selig eine Etage über mir.

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Der zweite Suizidversuch war eine Kurzschlusshandlung. Ein falscher Moment, ein falsches Wort und zack… da war klar, dass mach ich nicht mehr mit.

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Über das genaue wie, gebe ich keine klare Auskunft, auch wenn man es sehr gut erahnen kann, wenn man mir länger folgt, doch denen, die in einer Krise sind, will ich keine Tipps geben. Nur so viel: Ich weiß ganz genau, wie man sich am „besten“ das Leben nimmt.

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„Aber gibt es denn keine sichere Möglichkeit? Wenn du sagst, der ist aus dem 9. Stock gesprungen und ist noch ansprechbar ins Krankenhaus gekommen?“

Mein Vater fragt nach, weil er sich fragt, wieso Menschen einen Weg wählen, der ja scheinbar nicht 100% sicher ist.

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„Jein. Jeder Weg ist unsicher, wenn Du nicht dafür sorgst, dass er sicher in den Tod führt. Wenn jemand 100% überzeugt ist, sorgt er für den sicheren Tod.“

Mein Kommentar dazu. Die Tochter, die seit über 13 Jahren psychisch krank ist und zwei Suizidversuche unternommen hat, redet in der Familie über Suizide, als wäre es kein besonderes Thema. Ich erzähle darüber, wie man auch bei einem Sprung aus niedriger Höhe sicherstellen kann, wirklich zu sterben. Als wäre es das normalste der Welt.

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Ich zucke kaum mit der Wimper und auch so, nimmt es mich kaum mit, darüber zu reden. Kein stottern, kein Zittern, keine schnelle Atmung. Wieso? Weil ich bereits so oft zuvor darüber geredet habe. Weil ich so oft zuvor, darüber geredet habe, was Suizide eigentlich bedeuten und was es mit Menschen macht.

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Nun sitze ich zuhause und bin wieder einmal sicher, dass richtige zu tun. Das richtige damit zu tun, dass ich darüber schreibe. Aufkläre, in dem ich meine Geschichte immer und immer wieder erzähle.

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Denn solange meine Familie auch weiterhin nicht versteht, dass die Tochter, über die Hälfte ihres Lebens psychisch krank ist und solange meine Familie auch weiterhin nicht zwischen den Zeilen liest, in denen ich ihnen immer und immer wieder mitteile, dass ich selbst zu den „bekloppten“ gehöre, die doch „eh nichts mehr mitbekommen“, solange ist meine Aufgabe nicht erledigt. Für Aufklärung zu sorgen.

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Es ist einfacher, es Fremden gegenüber auszusprechen, bzw zu schreiben, als der eigenen Familie. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich in der Vergangenheit schon tausendmal gesagt habe, was ich für Probleme habe und tausendmal nicht ernst genommen wurde. „So schlimm ist das doch bei dir alles gar nicht.“

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Ich habe es irgendwann aufgegeben, darauf zu hoffen, dass meine eigene Familie es irgendwann begreift.

Auch, wenn sich das Dank meines Neffens nun ändert. Mein Bruder ist zugänglicher geworden. Er strahlt mehr Ruhe aus. Mehr Verständnis. Mehr Empathie. Sein Sohn macht wohl was mit ihm.

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Doch, obwohl ich nicht hoffe, meine Familie aufzuklären und ihnen die Augen zu öffnen, so hoffe ich auf andere Menschen.

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Eine Mutter, ein Vater, ein Sohn, eine Tochter, ein Onkel, eine Tante, eine Oma, ein Opa, eine Frau, eine Ehemann, oder vielleicht auch die beste Freundin.

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Ich hoffe, dass es diese Menschen sind, die ich erreiche. Die meine Gedanken zu dem Thema lesen. Die sich vielleicht fragen, was mit ihren Liebsten gerade los ist, oder die verstehen wollen, wieso jemand einen Suizidversuche unternimmt. Vielleicht auch jemand, der durch Zufall auf meine Beiträge stößt und darin stöbert. Jemand, der dann an meinen Worten hängen bleibt und darüber nachdenkt.

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Dem plötzlich klar wird, wieso sein liebster Mensch so ist, wie er ist. Der plötzlich erkennt, dass der liebste, vielleicht viel mehr mit dem Leben kämpft, als man es bis dahin dachte.

Wo einem Elternteil vielleicht plötzlich die Erkenntnis kommt: „Ich muss was tun. Mein Kind zeigt vieles von dem, worüber Marie schreibt. Vielleicht geht es meinem Kind so schlecht, dass es auch schon kurz vor dem Suizid steht.“

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Ich wünsche es niemandem, dass er sowas mit seinen Liebsten durchmachen muss, allerdings sprechen die Zahlen für sich. (Wer ein wenig auf Statistiken steht und sich mal erschreckende Zahlen bzgl Suiziden und den Versuchen, durchlesen will, wird hier fündig: http://kleinekaeferin.blog/2020/09/10/welttag-der-suizidpraevention-anzeichen-und-hilfe/)

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Viele Menschen werden unfreiwillig mit dem Thema konfrontiert, ob sie wollen oder nicht. Ob als direkter Verwandter, oder als Arbeitskollege.

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Suizide und ihre Versuche, passieren häufiger, als es sich viele vorstellen können.

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Und solange es immer noch eine enorme Dunkelziffer gibt, solange kämpfe ich weiter für Aufklärung. Dafür, dass Angehörige die frühsten Anzeichen schon deuten können und wissen, was zu tun ist.

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Am Ende des Tages, weiß man nie, wem man hilft, in dem man seine eigenen Erfahrungen teilt. Mit der Endometriose ist es mir bewiesen worden.

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Seit Juli habe ich diverse Nachrichten von Betroffenen bekommen, die mich nach Tipps und Erfahrungen fragten. Ich konnte ihnen ein wenig weiterhelfen und das, obwohl ich „nur“ 200 Follower habe und durchschnittlich 50 Story-Gucker. Und das alles, weil ich unter den Hashtags: Endometriose, Adenomyose, Uterus Subseptus und Bauchspiegelung, meine Erfahrungen gepostet habe.

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Der Austausch mit psychisch Erkrankten hält sich in Grenzen, findet aber auch statt. Die Hemmschwelle ist für viele größer, zu sagen: „Hey, ich bin auch psychisch erkrankt“, als zu sagen: „Hey, ich bin auch chronisch erkrankt.“

Und das ist okay. Keiner muss darüber reden, wenn er sich nicht bereit dazu fühlt.

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Aber ich weiß, wie viele Betroffene still und heimlich mitlesen… und ich hoffe, dass am Ende des Tages vielleicht nur einer von ihnen zu sich selbst sagen kann:

„Das, was Marie schreibt, ist das, was ich fühle. Die bringt es zum Ausdruck, was ich denke. Da ist jemand, der mich versteht.“

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Am Ende des Tages, kann es Leben retten, wenn jemandem das Gefühl hat, verstanden zu werden. Egal, ob von den eigenen Angehörigen, oder einer Fremden aus dem Internet. Wer sich verstanden fühlt, fühlt sich automatisch ein bisschen weniger allein.

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Ich hoffe, DU fühlst dich heute auch, ein bisschen weniger allein. 🙂

Wie dunkel meine Psyche manchmal ist, aber wie gut ich sie mittlerweile im Griff habe

Hier ist der Teil, an dem es etwas eskaliert ist. Für die, die nicht wissen, wovon ich rede:

https://kleinekaeferin.blog/2020/10/19/wie-corona-mir-erst-meinen-job-und-dann-die-jahrelange-ungewissheit-nahm/

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Triggerwarnung: Psychische Erkrankungen, Trauma und Suizide

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In meinem Fall muss man aber klar unterscheiden, dass dieses Symptom, mit Behandlung der Endometriose, nicht weg gehen/besser wird. Meine Psyche ist durch ein eigenständiges Trauma geschädigt worden und kann nur durch Aufarbeitung des eben gleichen, wieder langsam besser werden.

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Dementsprechend kann ich mit den, immer gleichen Mantra von anderen Betroffenen, nichts anfangen, wenn es darum geht, seine Psyche zu akzeptieren, so wie sie ist und ihr „Ruhe und gleichzeitige Aufmerksamkeit“ zu geben. Meine Psyche wird mit ein bisschen atmen und „eitidei“ nicht besser.

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An dieser Stelle: Liebe Betroffene: Dies ist kein Angriff auf irgendwen und seinen Weg mit sich und seiner Psyche umzugehen. Jeder agiert so, wie es ihm hilft und jeder sollte das tun, was er für sich als richtig erachtet, solange es anderen nicht schadet. Wenn euch ein alltägliches meditieren, oder Ähnliches, hilft um psychisch stabil zu sein, finde ich das klasse! Wirklich. Das freut mich, wenn ihr euren Weg damit gefunden habt und damit gut durch schwere Zeiten kommt.

Ich würde niemals jemandem, seinen persönlichen, Heilungsweg kaputt reden wollen. Ich weis selbst, wie viel es wert ist, wenn man Rituale findet, die einem helfen, mit Situationen klar zu kommen.

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Meine Erkrankungen sind das Produkt aus mehreren Traumata, die ich in meinem Leben erlebt habe. Von geschwisterlichen Rivalitäten; toxischem Familienleben; über Mobbing und Stalking; bis hin zu einem „Überfall“; sowie dem überleben mehrerer Suizidversuche und suizidalen Gedanken.

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All diese Trauma, und noch viel mehr, haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich so schwer erkrankt bin, wie ich es eben nun mal bin. Essstörungen, Ptbs, Borderline, Angst- und Panikstörung, … die Liste ist lang.

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Gleichzeitig geht es mir heute Verhältnismäßig gut. Ja, ich habe immer noch schwere Krisen und ja, auch dieses Jahr hatte ich mehrfache, suizidale Gedanken, über die ich in dem Moment nicht gesprochen habe… doch ich habe riesige Fortschritte gemacht.

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Statt mich wieder selbst zu verletzen; meinen Kopf wiederholt vor die Wand zu schlagen und mir stundenlang zu sagen, wie wertlos ich bin und dass ich niemals etwas auf die Kette bekomme; habe ich mir die Schuhe angezogen und bin raus.

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Ich bin gelaufen. Stolze 9 Kilometer, in etwa 3 Stunden. Immer geradeaus. Von meinem Stadtteil, in die nächste Stadt. Immer weiter geradeaus. Bis ich, nach 50 Minuten Fußmarsch und dem ausmalen, mehrerer Szenarien, wie ich mein Leben beenden könnte, endlich den Kopf frei hatte. Endlich runterfahren konnte. Keine Aggressionen mehr, gegen mich selbst hatte. Der Frust und die Anspannung, in Entlastung und Entspannung geswitched sind.

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Ich war stolz auf mich. So viele Kilometer laufen, daran hätte ich im Traum nicht gedacht, dass ich das „mal eben so schaffe“. Ich hatte Biss und habe durchgezogen. Ich hatte nach der anfänglichen Anspannung und Aggression, plötzlich ein Ziel vor Augen: Von einer Stadt in die nächste laufen – Komme, was wolle. Ich habe mir selbst bewiesen, dass wenn ich will, ich auch kann.

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Vor etwas 5 1/2 Jahren, habe ich meinen zweiten Suizidversuch unternommen. Eigentlich ging es mir damals wieder besser und eigentlich sollte ich am nächsten Tag arbeiten gehen. Einer Arbeit nachgehen, die ich damals sehr geliebt habe. Auf die ich mich gefreut habe. Es war eine Kleinigkeit, die mich so getriggert hat, dass ich mir kurz danach versucht habe, das Leben zu nehmen. Damals konnte ich nicht mal daran denken, alternative Handlungen auszuführen, um von meinen Gedanken weg zu kommen… damals war ich so schwer krank, dass der Suizid, als der einzige adäquate Weg erschien.

Wie Corona mir erst meinen Job und dann die Jahrelange Ungewissheit, nahm

Hallo ihr lieben Leser. Heute gibt es mal eine kleine Ansprache an euch.

Erstmal danke an die, die hier regelmäßig stöbern und lesen. 🙂 Freut mich, wenn es Leute gibt, die das interessiert, was ich schreibe.

Zum anderen ist dieser Blog-Eintrag ein wenig explodiert in seiner Länge und dem Ausmaß an Gedankensprüngen. Eigentlich war mein Ursprungsgedanke, dass mein Jobverlust dieses Jahr, etwas positives mit sich brachte: Meine Endometriose-Diagnose.

Wieso ich das als positiv betrachte und wie es sich dahin entwickelt hat, wollte ich aufschreiben… und plötzlich mitten beim schreiben, driftete der Text in eine ganz andere Richtung.

Plötzlich war ich mitten in meiner Psyche gelandet und dem, wie dunkel es darin manchmal aussieht, aber wie positiv sie sich trotzdem über die Jahre gewandelt hat.

Ich hatte plötzlich einen Blog-Eintrag im Blog-Eintrag verfasst, wenn ihr versteht, was ich meine.

Das Ganze ist so eskaliert, dass es niemals jemanden geben würde, der das alles in einem Eintrag lesen könnte. Deswegen habe ich folgendes getan:

Ihr werdet irgendwann, in der Erzählung, wieso mein Jobverlust und die Endometriose-Diagnose, was gutes an sich haben, an den Punkt kommen, wo ich einen zweiten Beitrag verlinke. Wer will, kann dann später lesen, wie sich meine Psyche über die Jahre verändert hat und wieso ich es nicht mag, wenn Leute mir ihre Endometriose-Mantra aufzwängen wollen. 😉

Wer nur über die Endometriose lesen will, kann so, nur über die Endometriose lesen und wer nur über meine dunkle Seite lesen will, kann so über die dunkle Seite lesen. Ich glaube, dass ist das sinnvollste für alle.

Danke für die Aufmerksamkeit vorne weg. Und nun, viel Erfolg bei der Wall of Text. 😉

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Dreimal dürft ihr raten, wer natürlich abends gegen 20 Uhr, auf dem Sofa eingepennt ist… 9.30Uhr wach sein, bin ich halt nicht mehr gewöhnt. Ist heute morgen aber ohne Wecker passiert, nach etwa 4 1/2 Stunden Schlaf.

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Ich hab das Gefühl, so ganz langsam beweg ich mich wieder in humanere Zeiten, wann ich „morgens“ in etwa wach werde. Nicht mehr erst 13Uhr wach werden. Aber das 4/4.30Uhr schlafen gehen, krieg ich noch nicht wirklich aus meinem Körper. Das hat sich ganz schön manifestiert.

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Tja, dass ist wohl die chronische Erschöpfung, von der so viele Endo-Patienten erzählen, die ich jahrelang mit extrem viel Adrenalin und Coffein, während meiner Arbeitszeiten, gekonnt umsegelt habe.

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Es ist absurd, wie ich so langsam meinen Frieden finde, mit der Tatsache, dass ich dieses Jahr, als erstes, dank Corona, meinen Job verloren habe… (ja, ich bin seit 7 Jahren Freiberuflerin, aber jemanden zu erklären, wie genau jetzt Corona und mein Job kollidiert sind, dauert immer 10x länger, als zu sagen: Ich hab meinen Job verloren. Theoretisch könnte ich bei entsprechenden Aufträgen direkt wieder arbeiten gehen, aber vermutlich werde ich so, wie bisher, nicht mehr meinen Lebensunterhalt damit bestreiten können, weil meine Arbeit eher als Vergnügen angesehen wird, anstatt als ein nötiges pädagogisches Projekt, dass gerade aktuell, allen Beteiligten, ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. Dementsprechend ist meine Art von Arbeit etwas, dass ganz hinten angestellt wird in der Kette von Projekten, die pädagogische Einrichtungen, in Corona-Zeiten umsetzen.)

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… und dann, dank meines Jobverlustes, nach 15 Jahren, dieses Jahr nun endlich richtig diagnostiziert wurde.

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Hätte ich dieses Jahr nicht meinen Job verloren, wäre ich:

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a) Vermutlich immer noch nicht diagnostiziert worden. Ihr glaubt ja wohl nicht, dass die Schmerzen so Beachtung bekommen hätten, hätte ich regulär meinen Lebensunterhalt verdienen müssen. Als Freiberuflerin ist man nie „mal eben krank“ und erst recht, fällt man nicht aus. Ich stand die letzten Jahre immer mit Grippe, kaputten Gliedmaßen, chronischen Schmerzen, oder Weisheitszähnen, die Probleme machten, bei der Arbeit. Krank sein gab es einfach nicht. Egal, wie schlecht es mir ging.

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B) Mutmaßlich wäre ich zum „wirklichen“ Notfall geworden. Tatsächlich bin ich relativ sicher, dass die beiden Zysten mich irgendwann so umgehauen hätten, dass ich nicht nur einen unfreiwilligen Trip in die Notaufnahme gehabt hätte, sondern vermutlich Not-operiert worden wäre, weil die Zysten entweder geplatzt wären, oder sich irgendwie verdreht hätten. Niemals wäre das so „locker“ gelaufen, wie jetzt. Und das sagt die, bei der der Stein ja nur ins Rollen kam, weil sie einen Trip in die Notaufnahme, mit anschließendem Krankenhausaufenthalt, hatte.

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C) Wäre ich auch ohne die Zysten, vermutlich in eins bis zwei Jahren, zum Notfall geworden, weil dann vermutlich einen Darmverschluss als Konsequenz von über 15 Jahren, Rätsel raten, gehabt hätte.

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Ich finde so langsam meinen Frieden mit der Tatsache, dass 2020 alles auf einmal dem Bach hinunter gegangen ist. Job weg, Gesundheit am Arsch. Und trotzdem kann ich den letzten Teil, langsam, Stück für Stück, akzeptieren.

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15 Jahre habe ich unter den folgenden Symptomen und Begleiterscheinungen gelitten:

⁃ massive Unterleibschmerzen während der Periode

⁃ Übelkeit, Erbrechen

⁃ Migräne vom feinsten

⁃ Massiver Schmerzmittelkonsum

⁃ Schmerzen bei jeglicher sexueller Aktivität (ja, auch darüber müssen wir wohl oder übel reden. Das ein Orgasmus zwar echt schön sein kann, wenn es einem gut geht… aber auch die Hölle sein kann, wenn einem sowohl der Unterleib, als auch der Enddarm deswegen schmerzt. 🤷‍♀️)

⁃ Chronische Erschöpfung (so viel Schlaf, wie ich manchmal gebraucht hätte, hätte ich, an einem Tag, gar nicht bekommen können.)

⁃ Sozialer Rückzug/Unverständnis anderer, auf Grund der immer wieder kehrenden Schmerzen

⁃ Gelenk-, bzw Schmerzen in den Gliedmaßen im allgemeinen (Fun fact: Wir waren irgendwann an dem Punkt, wo bei einer 20 Jährigen, Rheuma vermutet wurde.)

⁃ Psychische Belastung

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Ich bin zusätzlich zur Endometriose, auch seit über 13 Jahren psychisch erkrankt. Beide Erkrankungen stehen für mich auch in keinem direkten Zusammenhang. Klar begünstigt unter normalen Umständen, die Endometriose eine Verschlimmerung der Psyche, aber trotzdem sind in meinem Fall, beides zwei verschiedene Paar Schuhe.

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In meinem Fall gibt es einen ganz klaren Auslöser, ein Trauma, von dem an, meine psychischen Probleme aufgetaucht sind. Ja, möglicherweise war ich damals schon durch die Endometriose, in der Psyche vorbelastet und habe das Trauma deswegen nicht so gut weg gesteckt, trotzdem haben sich handfeste psychische Diagnosen, aus dem erlebten, entwickelt.

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Ich finde, dass dies betont werden muss, denn wie gesagt: Psychische Begleiterscheinungen sind ein Gesicht der Endometriose. Es gibt viele Betroffene, die unter Stimmungsschwankungen, Depressionen, etc leiden.

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(Hier eskalierte das ganze dann in eine ungeahnte Richtung… wer über die dunkle Seite meiner Psyche lesen will, kann das hier tun: http://kleinekaeferin.blog/2020/10/19/wie-dunkel-meine-psyche-manchmal-ist-aber-wie-gut-ich-sie-mittlerweile-im-griff-habe/ )

Und nun zurück zur Endometriose…

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Diese psychische Komponente sorgte nach Jahren dazu, dass ich an mir und meinem Verstand gezweifelt habe. Nachdem mir diverse Ärzte, in all den Jahren, erzählt haben, ich sei kerngesund, habe ich angefangen darüber nachzudenken, ob ich mir meine Symptome einbilde. Ob sie vielleicht ein Produkt meiner kaputten Psyche sein.

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3 Frauenärztinnen, 2 Orthopäden, ein Rheumatologe, zwei Hausärzte, eine Notaufnahme/Klinik und zwei Psychiatrien. All diese Ärzte und Kliniken erklärten mir, dass ich körperlich vollkommen fit sei. Das einzige Manko sei, dass ich etwas Gewicht verlieren und Sport machen müsste.

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Wie soll man da nicht glauben, dass man so schwer psychisch krank ist, dass die Symptome alle von der Psyche stammen?

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Es hat dieses Jahr, meinen Jobverlust gebraucht, um die Zysten an meinen Eierstöcken zu spüren und zu erhören, damit mir endlich, nach 15 Jahren, die richtige Diagnose gestellt werden konnte.

Und selbst da, musste ich für die endgültige Diagnose ja noch kämpfen.

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Man erinnere sich: Als Notfall in die Klinik, weil ich vor Schmerzen nicht mehr stehen konnte. 6 Tage Krankenhaus ohne Diagnose. Zwei Wochen später die gleichen Schmerzen, diesmal in Kombination mit meiner Periode. Gefolgt von einem Kampf, bei meiner damaligen Gyn, einen Termin zu bekommen, obwohl ich sagte, ich kann vor Schmerzen nicht mehr stehen. Ich war kurz davor, zu irgendeiner Gynäkologin zu gehen, weil die mir eigentlich keinen zeitnahen Termin geben wollten.

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Erst, als ich die Tatsachen auf den Tisch knallte, in Form des Krankenhausbriefes und dem, dass ich Gewissheit will, was in meinem Unterleib gerade so ausrastet, kriegte ich den vaginalen Ultraschall, der offenbarte, dass ich zwei Zysten an den Eierstöcken hatte. Beide etwa 4cm groß.

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Dort wurde das erste Mal von einem studierten Mediziner gesagt, dass ich eventuell schwer krank sein könnte. Nach all den Jahren, wo ich überall vorstellig und überall abgewimmelt wurde (wo man meine Aussage: „Meine Schmerzen während der Periode werden immer schlimmer“, nicht ernst genommen hatte), habe ich endlich Gewissheit bekommen.

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Ich bin mir sicher: hätte Corona dieses Jahr nicht so gewütet und wäre ich weiter meinem Job nach gegangen, dann wäre ich immer noch nicht diagnostiziert, oder alternativ zum „extrem Notfall“ geworden und hätte es dann Knall auf Fall, nach einer Not-Op erfahren.

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Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: Danke Corona, dass ich wegen dir, meinen Job aufgeben musste. Wahrscheinlich hast Du mir damit weitere Jahre, leiden ohne Diagnose, erspart. Danke, so absurd es ist, einer weltweiten Pandemie, Danke zu sagen.

Ich befinde mich in einem Prozess und dafür brauche ich offene Ohren, aber keine „schlauen“ Kommentare.

Da sich aktuell einige Nachrichten bei Instagram und WhatsApp ansammeln, mal mein Wort am Sonntag…

Ich ertrage andere Menschen gerade einfach nicht.

Die letzten Wochen kamen so viele Bemerkungen von Freunden und Familie, darüber was ich tun und lassen soll, aber vor allem, dass ich mich mal entspannen soll. Die ganze Situation nicht so schlimm sehen soll und das alles kein Weltuntergang ist… das sagt sich leicht, wenn man nicht in meiner Haut stecken muss und das nicht alles selbst erlebt.

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Das sagt sich so leicht, wenn man selbst nicht operiert wurde und die Schmerzen nicht selbst fühlt. Wenn man nicht weiß, was guter und normaler Schmerz ist und was schlechter.

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Wenn man nicht wochenlang herumlungert, weil es das einzige ist, was man tun kann, obwohl man sich bewegen will.

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Wenn man sich nicht Hormone einschmeißen muss, in der Hoffung, dass man zu dem 1/3 gehört, bei dem die Hormone Wirkung zeigen… und nicht nur Nebenwirkungen.

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Wenn man nicht zu denen gehört, die sich durch ihre Arbeitslosigkeit Gedanken machen müssen, wie es nun weiter geht. In der nächsten Zeit, mit zweiter Op, mindestens 3 Stunden am Tag arbeiten gehen soll, so wie der Hartz4-Antrag es verlangt? Wie soll das gehen?

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Wenn man sich nicht mit 26 Jahren in einem gesundheitlichen Zustand befindet, an dem einen nicht nur Rehamaßnahmen zustehen, sondern man sich ernsthafte Gedanken um die Anerkennung einer Behinderung machen muss.

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Wenn man gerade keine offenen Ohren findet, ohne immer irgendwelche Kommentare zu bekommen, die fehl am Platz sind.

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Wenn man nicht selbst mit psychischen Erkrankungen kämpft, die nicht nur seit über 13 Jahren bestehen, sondern gerade auch alles noch viel anstrengender machen.

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Wenn man nicht grübeln muss, wie man eigentlich an einen Therapieplatz kommen soll, weil entweder 9 Monate Wartezeit bestehen; die verfügbaren Therapeuten nicht für einen selbst geeignet sind; oder man in eine Klinik weit entfernt müsste, um gute und adäquate Therapie zu bekommen.

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Wenn man sich nicht jeden Tag eine Notiz mehr macht, auf dem Zettel, den man mit seinen Ärzten abarbeiten muss. Stimmen meine Blutwerte, weil danach fühlt es sich nicht an?! Soll ich bei meinem Schmerzmittel bleiben, oder was anderes nehmen? Welche Sozialrechtliche Möglichkeiten habe ich, Gelder zu bekommen? Wieso blute ich seit 3 Wochen durchgängig? Wieso tun meine Bauchmuskeln jeden Tag weh? Was tu ich gegen das morgendliche mit Schmerzen wach werden, weil man nach 7 Stunden eine fast explodierende Blase hat, aber nachts nicht mehr dafür den Wecker stellen will?

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Wenn man nicht mal scheiß Phasen hat, an denen man sich fragt, wieso es ausgerechnet einen selbst nun auch noch mit einer schweren-chronischen Erkrankung umgehauen hat.

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Wenn man sich nicht schon mal mental auf einen künstlichen Darmausgang einstellen muss, weil die Chancen, dass man vielleicht ja doch drum herum kommt, obwohl alle Ärzte schon was anderes gesagt haben, mit jedem Tag geringer werden.

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Wenn man sich nicht damit anfreunden muss, demnächst in einen Beutel zu scheißen, während man mit anderen Menschen beim Essen, oder abends auf der Couch sitzt.

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Wenn man sich nicht mit 26 die Frage stellen muss, ob es nicht vielleicht die klügste Entscheidung wäre, alles herausnehmen zu lassen, was Probleme macht.

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Wenn man sich nicht mit 26 Jahren, die Frage stellen muss: Will ich mal Kinder? Um welchen Preis würde ich welche wollen? Sollte ich jetzt wirklich meine Eizellen einfrieren lassen? Will ich mir das überhaupt mit meinem geschundenen Körper antun?

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Es ist vieles, so viel leichter zu sagen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Wenn man derjenige ist, der daneben steht und nicht mal ansatzweise erahnen kann, wie es der betroffenen Person wirklich geht.

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Ich will von euch keine Ratschläge.

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Ich will nicht hören, dass ich unbedingt zum Arzt gehen muss!

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Ich will nicht hören, dass ich unbedingt zuhause raus muss und mal was anderes tun muss, als alleine zuhause zu sitzen.

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Ich will nicht hören, was irgendein Mensch, in irgendeiner Zeitung, oder in irgendeinem Tv-Bericht erzählt hat, was super helfen würde.

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Ich will auch nicht hören, wie andere Menschen vielleicht auch Schwierigkeiten hatten, schwanger zu werden und es tausendmal probiert haben, bis es klappte.

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Ich will nicht hören, was euch hilft, wenn ihr mal etwas Unterleibschmerzen habt, oder mal eine Migräne. Wenn euch mal schlecht ist, oder ihr mal Durchfall habt. Wenn ihr mal keinen Appetit habt, oder mal alles fressen könntet, was bei drei nicht auf dem Baum ist.

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Ich will nicht hören, dass alles gut wird. Dass es bestimmt alles halb so wild ist. Dass es mir doch bestimmt bald besser geht.

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Ich bin schwer-chronisch krank und das unheilbar. Meine Endometriose wird nicht mehr vergehen. Für die nächsten etwa 20 Jahre werde ich weiter mit der vollen Brandseite an Symptomen leben. Danach kann ich hoffen, dass es nach der Menopause deutlich entspannter wird. Eine Garantie gibt mir aber niemand darauf, dass alle Symptome dann verschwinden.

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Ich bin schwer-chronisch krank und das schon seit etwa 15 Jahren. 15 Jahre habe ich bei diversen Ärzten meine Symptome vorgetragen und immer hieß es: „Ist alles super. Alles gut. Alles wie es sein soll.“ 15 Jahre lang ließen mich die Halbgötter in Weiß, in dem Glauben, dass ich mir meine Probleme einbilde. Einfach überempfindlich bin. Ein Sensibelchen, dessen Psyche auf den Körper schlägt.

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15 Jahre musste ich mir von Freunden und Familie anhören, das könnte alles nicht so schlimm sein. Ich müsste halt mal zum Arzt gehen und das abklären lassen. Und selbst jetzt, nachdem die Diagnose kam, musste ich mir anhören: „Hab ich dir doch vor Jahren schon gesagt, dass Du das vielleicht haben könntest.“

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Und vor vier Jahren war ich bei meiner damaligen Gyn und habe gesagt: „Meine Schmerzen werden immer schlimmer und die Schmerzmittel wirken immer weniger. So kann es nicht weitergehen.“ Und ich bekam wieder zuhören, dass alles top in Ordnung sei.

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Ich bin schwer-chronisch krank und mit meiner Vorgeschichte von psychischen Erkrankungen und nun dem hinzukommen meiner schweren-chronischen Erkrankung, habe ich beste Chancen auf Anerkennung eines Behindertengrades. Je nachdem wie das Urteil ausfällt, sogar auf einen Schwerbehindertenausweis.

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Ich bin schwer-chronisch krank und das weiß ich seit gerade einmal drei Wochen zu 100% sicher. Ich brauche Zeit. Zeit um selbst zu verstehen, was mit mir passiert. Wie es nun weitergeht. Was ich vom Leben will oder nicht will. Wo ich mich in ein paar Jahren sehe, oder auch nicht sehe.

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Ich brauche offene Ohren, die einfach zuhören. Die im Zweifel einfach nur stumm neben mir sitzen, zuhören und am besten nichts sagen, wenn sie nicht wissen, was sie sagen sollen, anstatt „kluge Kommentare abzugeben“.

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Ich brauche offene Ohren, die mich in Ruhe lassen, wenn ich nicht reden will. Die sich nicht aufdrängen, sondern einfach nur einmal das Angebot machen, zu zuhören.

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Ich brauche offene Ohren, die nicht sagen, dass alles absurd ist, was mir durch den Kopf geistert, sondern die sagen: „Ich hab zwar das Gefühl, dass wird dir nichts bringen, aber wenn Du willst probieren wir es aus.“

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Ich brauche offene Ohren, die vielleicht auch einfach mal mit mir weinen, wenn meine Welt mal wieder in tausend Einzelteile zerfällt.

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Und ich brauche vor allem offene Ohren, die nicht alles gleich auf meine Psyche schieben, wenn ich ein paar Tage in Folge sage, wie scheiße alles ist.

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Ich befinde mich in einem Prozess. Die erhaltenden Diagnosen zu verstehen und zu begreifen. Den Weg, der vor mir liegt, klar sehen zu können. Mich und meinen Körper neu zu verstehen. Andere Menschen neu zu verstehen. Mich nicht mehr von allem und jedem, ständig angegriffen zu fühlen, weil jeder ständig in meine frischen Wunden fasst.

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In einem Prozess der Trauer, über das, was mir vor drei Wochen verloren gegangen ist. Ein Leben, in dem ich dachte, ich hätte nur einen psychischen Knacks und wäre körperlich aber „top fit“, wenn ich denn nur ein bisschen mehr Sport triebe. Ein Leben, in dem ich mir keine Gedanken machen musste, wie ich die nächsten Jahrzehnte körperlich überstehen werde.

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Mir ist etwas genommen worden, dass zum „normal“ sein dazugehört. Ein gesunder Körper. Dafür etwas gegeben worden, was einen zu einem Behinderten macht. Eine schwere-chronische, nicht heilbare, Erkrankung.

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Ich befinde mich in einem Prozess… von dem weder Du, noch ich, wissen, wann dieser vergeht, oder ob er nicht ein lebenslang bleiben wird.

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Aktuell geht es einzig und allein um mich, meine Belange und Probleme. Um das, was mich umtreibt. Und nicht darum, wie Du mit dieser neuen Situation zurecht kommst. Wie Du lernen kannst, als Freund oder Familienangehöriger mit meinen Problemen umzugehen. Wie Du lernst, dich daran zu gewöhnen, dass ich immer körperlich zurück stecken werde und niemals mehr so fit sein werde, wie andere es sind oder sein könnten.

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Es geht aktuell um mich und meinen Prozess, mit alle dem zu leben. Mich zu arrangieren und mein Leben neu zu erleben.

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Irgendwann… irgendwann werde ich dir dann helfen, damit umzugehen, dass deine Schwester, Tochter, Freundin oder Arbeitskollegin, schwer-chronisch krank ist. Ich werde dir helfen, damit zu leben, dass ich nicht immer mithalten kann. Das ich bei vielen Dingen, immer Hilfe brauchen werde.

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Irgendwann helfe ich dir zu akzeptieren, was mit mir los ist… aber jetzt hilf mir, mich und mein eigenes Leben zu akzeptieren.

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Denn jetzt stehe mal wieder ich im Vordergrund… auch wenn ich das in der Vergangenheit schon oft genug getan habe, wenn es um meine Gesundheit ging.

Albträume durch meine Ptbs – Teil 30153905362

TW: Es wird weiter unten um meine Albträume gehen, die durch eine Ptbs bedingt sind und vor zwei Tagen getriggert wurden. Der Anfang des Textes, war eigentlich mein Ende, allerdings wollte ich noch die Menschen an zwei, drei Gedanken teilhaben lassen, die selbst gegen ihre Vergangenheit kämpfen und somit schnell getriggert werden. Ich hab daher entschieden, die letzten Absätze an den Anfang zu packen, damit ihr diese Gedanken mit mir teilen könnt und nicht außen vor bleibt, weil ihr die Textabschnitte zu meinen Albträume besser nicht lest. 😉

Alles weitere und ab wo die Albträume und das drum herum beginnen, wird genau gekennzeichnet.

Assistenzhund:

Es sind Tage wie dieser, an denen ich mir eine Fellnase an der Seite wünsche. Vor ein paar Monaten hab ich versucht, das Thema Assistenzhund anzugehen… nachdem ich keinerlei Job gefunden habe und mittlerweile Schulden beim Staat habe, liegt das Thema wieder auf Eis. Und mit dem gesundheitlichen Drama on Top, wäre es aktuell auch nicht vorstellbar, mich darum weiter zu kümmern.

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Zu sehr sehne ich mich aber nach einem treuen Begleiter, der tagsüber, aber eben auch nachts, an meiner Seite ist und mir hilft. Der da ist, wenn ich einen fiesen Albtraum habe und alleine nicht wach werden kann, weil ich wie gelähmt bin.

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Ich überlege, meine Spendenseite zu reaktivieren. Alle Jobangebote und Bewerbungen habe ich ja nun eh auf Eis legen müssen, weil ich dieses Jahr nicht mehr arbeiten gehen kann. Dafür ist gesundheitlich zu viel im Argen. Was hält mich eigentlich davon ab, sie zu reaktivieren?

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Psychisch und physisch chronisch krank:

Es sind Nächte wie diese, in denen mein „ich fühl mich seit der Op, psychisch so gut, wie die letzten Monate nicht mehr“ zu bröckeln beginnt. Denn erst sagt der Körper den ganzen Tag schon „aua“ und kurz drauf, die Psyche dasselbe.

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Nur mit dem kleinen Unterschied: Meine Op sieht man mir an. Menschen können die Narben davon sehen. Die Narben meiner Psyche… tja, die kann ich zwar spüren, aber niemand kann sie von außen sehen.

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TW: Albträume durch Ptbs. Ab hier rate ich Betroffenen nicht mehr weiterzulesen, oder zumindest mit Vorsicht. Es werden keine genauen Szenen beschrieben, aber die Materie eines Albtraums und das damit verbundene aufwachen und danach zurecht kommen, sind ausführlich beschrieben.

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Zweimal.. zweimal der gleiche Albtraum in einer Nacht. Mit Wachwerden und nicht aus der Starre lösen können. Beim zweiten Mal bin ich wieder zurück in den Traum gedriftet, weil ich mich nicht aus dieser Starre beim aufwachen lösen konnte.

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Erst bei einem zweiten Anlauf, konnt ich mich endlich auf die andere Seite drehen, dann aufsetzen und somit zeitgleich wach werden.

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Beim aufsetzen, hab ich gleichzeitig das Licht angemacht. Diese Dunkelheit erträgt ja kein Mensch. Obwohl ein Nachtlicht an war, war es mir zu duster im Raum.

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Es sind Nächte wie diese, die es so schwierig machen, tagsüber zurecht zu kommen. Wie soll man tagsüber die Kämpferin schlechthin sein, wenn man nachts träumt, dass man gefangen gehalten, geschlagen und ermordet wird?

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Es sind Nächte wie diese, die mich immer wieder an die Vergangenheit erinnern. Und ich kann fast froh sein, überwiegend nur Albträume zu haben und nicht tagsüber unter massiven Flashbacks zu leiden.

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Vor zwei Tagen habe ich von meiner Ptbs und dem verbundenen Trauma geschrieben… eine Nacht hatte es mich verschont, nachdem ich getriggert wurde. Die zweite Nacht war dann umso härter.

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Mir tut alles weh.

Der Nacken knackt, die Schultern tun weh, der Bauch noch mehr. Muskelkater im ganzen Körper. Ich muss so unter Anspannung gestanden haben, dass mein gesamter Körper sich verkrampft hat. Anders kann man den Muskelkater nicht erklären. Und auch jetzt, 10 Minuten nach dem Aufwachen, ziehen Bilder des Albtraums vor meinem Auge her.

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Ich friere des Todes, während ich halbnackt durch die Wohnung laufe, mein Kirschkernkissen warm mache, mir was zu trinken hole und überhaupt einfach erstmal wieder klar komme. Jede Ecke um die ich biege, jede Tür, die ich passiere, es sind alles dunkle Bedrohungen, hinter denen jemand stehen könnte.

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Mein Handy immer dabei. Irgendwie macht es das erträglicher, wenn man weiß, man könnte zur Not den Notruf wählen. Es ist absurd, weil ja niemand in der Wohnung ist… aber zwischen Sinn und Unsinn kann eine Ptbs ja nie so richtig unterscheiden.

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Mittlerweile bin ich wieder im Bett angekommen. Aufrecht darin sitzend, obwohl der Bauch viel „Aua“ schreit. Aber hinlegen und Augen zu, ist nicht. Ich werde mir jetzt eine Weile YouTube-Videos um die Ohren hauen und dann hoffentlich nochmal in den Schlaf zurück finden. Um 6.00 Uhr morgens. Großes Kino.

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Zwischendurch blicke ich immer wieder hoch. Mein Nachbar ist noch wach (ich kenn seinen Rhythmus in etwa, weil man ihn nachts, recht laut über mir hören kann), was dazu führt, dass der Boden über mir des Öfteren knarzt. Obwohl meine Zwischentür zu ist und diese sooooo laut knarzt, dass niemand unerkannt rein käme, bleibt die Angst, dass doch wer im Zimmer stehen könnte.

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Mein Bauch schreit „aua“. Der würde gerne gerade entspannt liegen und nicht mehr mit den Nachwehen meiner Op kämpfen müssen… Vielleicht ziehe ich mir jetzt eine Reihe „Adventskalender Unboxings“ rein. Hatte schon immer etwas beruhigendes und faszinierendes an sich, anderen Menschen beim auspacken eines Adventskalender zuzusehen. Könnte daran liegen, dass ich Adventskalender liebe. 🙂

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Aber an Schlaf ist gerade nicht mehr zu denken…

Wie Tv-Serien, meine Ptbs triggern können

Tw: Ptbs/Einbrüche/Stalking

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Da ist es wieder… das unaufgearbeite Trauma. Hin und wieder kommt es ganz unverhofft und schlägt einfach zu. Von hinten, mit viel Anlauf.

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Ich schaue seit vielen Jahren „In aller Freundschaft“, sowohl die jungen, als auch die „alten“ Ärzte. Meine Mutter hat mich als Kind/Teenager irgendwann mitschauen lassen, als ich abends mal nicht schlafen konnte. Seit einigen Jahren schaue ich es mehr oder weniger regelmäßig. Ja, mögen viele lustig finden, dass ich mir solche Serien rein ziehe, aber so what. Ich mag‘s.

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Bisher… letzte Folge kündigte sich in der „alten IaF“ schon an, dass der aktuelle Handlungsverlauf düster werden würde. Die Klinik-Chefin hat einen Stalker, von dem man letzte Folge das erste Mal erahnen konnte, dass er wirklich übergriffig wird.

Bis dahin war es für mich aber noch okay zu schauen und getriggert gefühlt habe ich mich nicht.

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Die aktuelle Folge sollte dies nun ändern. Leider kenne ich das Gefühl des Stalkings zu gut. Aber dazu gleich… angefangen hat mein Trauma vor zwei Jahren.

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Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal mit einem Wohnwagen, alleine irgendwo übernachtet. Die Arbeit hat es hergegeben, dass ich mehrere Nächte eines unserer Zirkuszelte bewacht habe und deswegen mit dem Wohnwagen daneben stand. Die erste Nacht ging alles gut und die zweite Nacht hat ein Kollege dort übernachtet und ich konnte eine Nacht zuhause schlafen. Wir hatten uns die Woche quasi in Wechsel aufgeteilt.

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Die dritte Nacht kam und endete abrupt um 3.55h. Aus dem Tiefschlaf hochgeschreckt bin ich, als der Wohnwagen heftig von links nach rechts schaukelte. Gehämmert gegen die Tür, ein nicht aufhörendes Klinke runterdrücken. Dazu Schreie.

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Wie gelähmt lag ich unter der Decke. Minutenlang nicht in der Lage mich zu bewegen. Irgendwann löste sich die Starre und ich griff zum Handy neben mir. 112. Absurd, wie man in extremen Situationen vergisst, welche Nummer man wählen muss. Der Herr am anderen Ende hat aber schnell geschaltet und mich weitergeleitet an die Polizei.

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15 Minuten. Solange hat es gebraucht, bis die Polizei mit zwei Streifenwagen aus der nächsten Stadt endlich da war. 15 Minuten lag ich in Todesangst im Wohnwagen. Die Täter waren längst weg, schon in dem Moment, als ich den Notruf abgesetzt habe. Erst als ich das Blaulicht durch die Schlitze der Jalousien erahnen konnte, bin ich aus dem Bett aufgestanden, geduckt durch den Wohnwagen gelaufen, bis ich wirklich die Streifenwagen sehen konnte.

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In diesem Moment fiel alle Anspannung ab. Ich hab mir eine Jacke übergeworfen und bin aus dem Wohnwagen raus. Im Beisein der Polizei hab ich noch einen schnellen Blick in unser Zirkuszelt geworfen, aber es wurde schnell klar: die Täter wollten mich nur ärgern. Es fehlte nichts und beschädigt wurde auch nichts.

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Das Zelt stand auf dem Schulhof einer Hauptschule, auf dem Abends Drogen Verrückt worden. Das ich als Frau alleine in dem Wagen bin, war wohl kein Geheimnis, hatte ich mich tagsüber ja alleine auf dem Gelände bewegt.

Von da an, hatten der Kollege und ich immer zusammen im Wagen gepennt. Alleine wollten wir das beide nicht mehr machen.

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Monate später bekam ich die ersten Albträume. Ich wurde verfolgt. Mein Leben war in Gefahr. Nacht für Nacht. Irgendwann mehrfach die Nacht. Bis zu dem Tag, an dem ich dreimal den gleichen Albtraum hatte und jedes Mal etwas mehr gefährdet wurde. Schlussendlich wurde ich beim dritten Albtraum dann umgebracht. Kein Versuch, kein kurz davor, nein… ich wurde im Traum ermordet.

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Viele Wochen und Monate, aber vor allem viel darüber reden und schreiben, hat Linderung gebracht. Stück für Stück ließen die Albträume wieder nach. Bis zu diesem Jahr.

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Hier wird meine Stalking-Erfahrung relevant.

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Zweimal sind Menschen der Meinung gewesen, sie könnten sich herausnehmen, unangekündigt in meinem Leben aufzutauchen. Einmal auf der Arbeit, einmal vor meiner Haustür. Beide Male habe ich den Kontakt zu den guten Bekannten abgebrochen. Das zweite Mal hat lange Spuren hinterlassen.

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Anfang dieses Jahres erst war es, dass jemand ungewünscht vor meiner Haustür stand und erst nach einer guten 3/4 Stunde wieder gegangen ist, als ich ihn durchgängig ignoriert habe. Kein Klingeln, kein Anruf, keine WhatsApp habe ich beantwortet.

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Dem Ganzen ging voran, dass ich Monatelang mit WhatsApp-Nachrichten bombardiert wurde. Mal hier, mal da. Jede Nachricht habe ich ignoriert. Für Monate. Da es aber ein guter Bekannter war, hab ich es ausgesessen und ihn nicht blockiert.

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Danach kamen Wochen voller Albträume. Ich habe das eine Fenster in meiner Wohnung mit einem Einbruchschutz ausgerüstet. 3.Og Altbau. Eigentlich absurd, doch die Feuertreppe grenzt an mein Küchenfenster. Es hat mich um den Verstand gebracht, zu wissen, es gibt zwei Wege zu meiner Wohnung, wenn man wollen würde. Die Albträume wurden schlimmer, aber auch das bloße in der Wohnung bewegen, hat mich wahnsinnig gemacht. Jede Ecke war eine Gefahr.

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Meine Nachtlichter wurden wieder die treusten Weggefährten in der Nacht und seitdem Vorfall habe ich auch dauerhaft Nachts ein Licht im Schlafzimmer an. Wenn ich von einem Albtraum hochschrecken sollte, fällt die Orientierung damit leichter. Man ist der Dunkelheit dann nicht so schutzlos ausgeliefert.

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Mit den Monaten hat sich dies wieder gelegt. Ich habe jetzt ein paar Monate, vielleicht so drei, vier, wieder ganz gut schlafen können. Und auch das aufhalten in meiner Wohnung ist wieder gut ertragbar.

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Bis heute.

Es sind eben die Dinge des Alltags, die einen Triggern. Dazu brauche ich keinen Bericht über Einbrüche, Vergewaltigungen oder Ähnliches lesen. Ich brauche auch keine Dokus und Reportagen anschauen, um getriggert zu werden. Manchmal sind es Gerüche. Manchmal ist es das Aussehen eines Menschens. Manchmal ein Satz oder Wort, der Erinnerungen triggert… und manchmal sind es Tv-Serien.

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Seien wir ehrlich… wenn ich jetzt danach gehen würde, wo im TV, auf YouTube oder sonst wo, alles gefährliche Szenen auftauchen KÖNNTEN… ich dürfte gar nichts mehr konsumieren, denn rein theoretisch, könnte es eben überall Thema werden. Und seien wir auch ehrlich: Wer rechnet denn damit, in einer deutschen Krankenhaussserie mit sowas konfrontiert zu werden?

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Es gibt Unterschiede zwischen Serien und nicht alle triggern mich. Ich kann aktuell z.B. Abends noch gut eine neue Folge K11 schauen. Hat was mit Morden, Stalkern, etc zu tun und doch triggert es mich nicht. Böse Zungen würden behaupten, dass liegt am schlechten Schauspiel, der Protagonisten… 😉 Ich mag die Serie trotzdem.

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Bei IaF verhält es sich anders. Da tauche ich viel mehr ab im Geschehen. Ich bin live dabei, verfolge alles was passiert. K11 läuft meist, während ich Malbücher ausmale, Sudokus löse, oder bastel. Bei IaF funktioniert das selten. Da unterbreche ich oft meine Tätigkeiten, weil ich so drin bin im Geschehen. Ein Kompliment also für die Macher und Schauspieler. Es fühlt sich realer an, als K11.

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Klar weiß ich, dass es eine fiktive Serie ist, aber sie nimmt mich eben gerne mal mit. Heute wahrscheinlich zu sehr.

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Die Szenen heute wurden Stück für Stück immer krasser. Der Stalker wurde massiv aufdringlich, war sehr präsent und am Ende. Tja, am Ende stand er an einem Fenster zur Wohnung, im Schutze der Dunkelheit und hat sein Opfer beobachtet. Perfekt inszeniert wurde das ganze, dass muss man IaF lassen.

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Mir hat es leider einen eiskalten Schauer den Rücken runterlaufen lassen. Ich saß plötzlich wie versteinert mit Herzrasen auf dem Sofa. Tränen in den Augen. Vollkommen fassungslos.

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Mittlerweile, während ich den Text schreibe, geht es wieder besser, aber nicht gut. Ich sehe im Augenwinkel Dinge. Ich sehe die dunklen Ecken meiner Wohnung. Ich zapple die gesamte Zeit schon mit den Füßen. Eine Reaktion, wenn ich zu angespannt bin, damit der Körper irgendwie die Anspannung los werden kann. Würde ich nicht mit den Füßen wackeln, würde ich Krämpfe bekommen.

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Krämpfe, wie man sie von Epilepsie kennt. Alles verhärtet sich, man ist nicht mehr ansprechbar und ist irgendwie im Tunnel. Hinterher wird man wach. Alles fühlt sich nach fettem Muskelkater an. Man selbst ist total K.O. Ist mir zum Glück bisher nur seltenst passiert, aber immun bin ich dagegen nicht.

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Ich weiß nicht, was vernünftig ist. Die gesamte Zeit, während ich das hier schreibe, überlege ich schon, wie ich das in nächster Zeit nun machen soll.

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Ich mag die Serie. Ich will sie eigentlich nicht missen, weil ja auch noch andere Handlungsstränge erzählt werden, die man halt mitbekommen will. Aber wenn ich die nächsten Folgen immer wieder mit meinem Trauma konfrontiert werde… puh.. eigentlich kein Bedarf. Danke.

Ich weiß es nicht. Vielleicht nur tagsüber und nicht mehr abends schauen. Vielleicht erst meine Mutter schauen lassen und die dann fragen, wie krass die Szenen waren… aber die versteht ja nicht mal, dass ihre Tochter seit Jahren psychisch krank ist. Wie will die mir vernünftig erklären, wie schlimm die Szenen sind?!

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Ich weiß es nicht.. aber das ist genau das, womit ich irgendwie immer rechnen muss. Mit Dingen, die vergangene Erinnerungen, wieder hervorholen. Das nennt man dann wohl eine posttraumatische Belastungsstörung.