Binden, Tampons und noch viel mehr… Wieso ich immer noch einen Vorrat habe und wieso wir drüber reden sollten.

Lasst uns über’s menstruieren sprechen.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft ich in den letzten Monaten darüber nach gedacht habe, diesen Post zu verfassen… jedes Mal verließ mich der Mut über so etwas persönliches und intimes zu sprechen. Die Angst, verurteilt zu werden, war groß. Leute könnten angewidert sein. Aber mal ernsthaft… wer davon angewidert ist, sollte mal seine Einstellung zum Leben überdenken. Ist nämlich eine der natürlichsten Dinge der Welt.

Was ihr da auf dem Foto seht, ist mein „Monatsvorrat“. Gut, die Tampons reichen eher für 2-3 Zyklen, aber kleinere Boxen sind ja meist teurer und dann müsste man ja auch jeden Monat los in den Laden.

Wer mir eine Weile folgt, weiß, dass ich seit Ende September/Anfang Oktober nicht mehr menstruiere. Dienogest im LZZ, also Langzeitzyklus, ist das Stichwort.

Ich nehme eine Art der Pille. Durchgängig ohne jede Pause. „Bis sie irgendwann versuchen schwanger zu werden. … Ansonsten setzen sie die nicht mehr ab, bis sie in die natürlichen Wechseljahre kommen.“

Der Versuch, meine Endometriose im Griff zu behalten und zu verhindern, dass sie binnen von kürzester Zeit nicht wieder explodiert. Eine Garantie gibt es dafür aber nicht. Nur hoffen und beten, sofern man gläubig ist.

Das ist auch der Grund, wieso es diese Schublade noch gibt. Weil ich nicht weiß, ob ich es nicht irgendwann wieder brauche.

Ich hatte kurz nach der ersten Einnahme überlegt, die Schublade zu vernichten. Tampons zu verschenken und die Binden zu entsorgen. Aber es wäre nicht richtig. Es wäre unklug das ganze Zeug zu entsorgen, wenn ich vielleicht nächstes Jahr schon wieder menstruiere, weil meine Endometriose einen Fi** auf die Pille gibt.

Was ihr seht sind 34 Stoffbinden und Unmengen von extra großen bis mittelgroßen Tampons. Mein Monatsvorrat, wie ich schon sagte.

Mit 34 Stoffbinden habe ich es bei 5-7 Tagen Blutungen geschafft, immer ziemlich genau damit auszukommen. So konnte ich die erste Hälfte nach etwa 2-3 Tagen waschen und den Rest dann nach der Periode. Ihr könnt euch jetzt wahrscheinlich auch schon denken, warum Stoffbinden.

Ja, es ist am Anfang irgendwie befremdlich, gebe ich zu. Aber wenn ich mir jetzt kurz vorstelle, was ich bis dahin für Unmengen an Einmal-Binden verbraucht habe… das ist nicht nur Umweltverschmutzung vor dem Herrn, sondern auch Sau teuer.

Die Stoffbinden legt man sich einmal zu und kann sie theoretisch ein Lebenlang nutzen. Man muss sie halt ordentlich pflegen. Und damit leben, dass sie durchaus verfärben können. Blut ist halt Blut.

Ich mag euch an der Stelle aber auch erklären, wieso überhaupt Binden, wieso trotzdem so viele Tampons und und und…

Solange ich mich zurück erinnern kann, habe ich immer durchgeblutet.

In der Schule, zuhause, auf der Arbeit. Ich war nicht in der Lage es zu verhindern.

Es kam, wie es kommen wollte.

Endometriose kann unter anderem auch zu stärkeren Blutungen führen. Sprich die Menge ist mehr als bei gesunden Menschen. Das habe ich aber auch erst erfahren, als ich schon diagnostiziert war. Hat mir vorher nie jemand gesagt, wie viel normal und wie viel „unnormal“ ist.

Wie gesagt, ich konnte tun was ich wollte. Manchmal reichten zwei Stunden ohne Klo, um durchzubluten, manchmal nur 30 Minuten und an manchen Tagen hatte ich hingegen bei 8 Stunden Schlaf keinerlei Unfälle.

Als ich als Teenager auf Tampons umgestiegen bin, war es das unangenehmste der Welt. Es tat weh, saß sch*** und fühlte sich einfach nur verkehrt an. Warum ich trotzdem dabei geblieben bin? Weil ich ohne die Kombination aus Tampons und Binde überhaupt nicht klar gekommen wäre.

Damit ihr eine Vorstellung bekommt:

Nehmt euch einen Super-Duper-Extrem-XXL-Tampon. Die heißen ja bei allen Herstellern anders, Größe ist aber meist recht ähnlich. Lasst den mal mit Wasser vollsaugen. Dann kriegt man eine Ahnung, wie sich das anfühlen muss, diesen in sich zu tragen.

Und nun stellt euch vor, dass dieser Super-Duper-Extrem-XXL-Tampon nur eine Stunde ausreicht. Willkommen in meiner Welt.

Ich habe an manchen Tagen 10-15 Stück davon gebraucht. Ging nicht anders. Die Dinger waren schneller voll, als ich bis 10 zählen konnte.

Wenn man dann aber kein Klo zur Verfügung hat und weiß, wie schnell die Dinger volllaufen… was macht man dann? Richtig. Man schafft sich ein Back-Up. Damit konnte ich auch mal 3-4 Stunden ohne Klo überleben, was bei meiner Arbeit nicht unnormal war.

Wenn ich ein Zirkuszelt aufgebaut habe und als Richtmeisterin auf dem Platz stand, konnt ich nicht ständig auf Klo verschwinden. Als Verantwortliche bist du eben verantwortlich für das was passiert… und vor allem haftbar. Da ist nichts mit alle 30-60 Minuten auf das Klo in 500m Entfernung rennen. Dort, wo man ja dann auch ein paar Minuten braucht, bis alles gewechselt ist, etc.

Und trotz Back-Up war ich an vielen Tagen froh, eine dunkle Arbeitshose zu besitzen, schwarze Arbeitsjeans zu haben und eigentlich immer Pullis mit mir zu schleppen, die man sich zur Not umbinden kann.

Aber nicht nur, dass man ständig blutet wie ein abgestochenes Schwein. Nein, diese sch*** Tampons tun auch noch weh wie die Hölle. In manchen Momenten hat man sie ganz gut vertragen, aber meistens wurde das alles so empfindlich da unten, dass das Wechseln zum Albtraum geworden ist. Ich kann auch gar nicht mehr sagen, wie oft ich mit Schmerzen vor anderen Leuten stand, oder viel mehr saß und gelächelt habe, obwohl ich extreme Schmerzen hatte.

War dann immer die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder die Super-Duper-… und 1-3 Stunden klar kommen, oder die kleinere Version und nach 30 Minuten wieder zum Klo müssen.

Was meint ihr, wie unendlich froh ich war, wenn ich mal meine Periode bekommen habe, wenn ich eine Woche frei hatte. Nicht nur, dass ich dann zuhause sterben konnte, statt irgendwo in Gegenwart wildfremder Menschen, sondern ich konnte auf Tampons verzichten.

Wenn du nur zwei Meter zur Waschmaschine laufen musst, kann man seine Binden zur Not auch jeden Tag waschen. Hauptsache man muss nicht zuhause auch noch diese sch*** Tampons ertragen.

Ich bin ehrlich: Nur um es probiert zu haben, hätte ich gerne mal diese Perioden-Unterwäsche ausprobiert. Die meisten scheinen ja echt happy damit zu sein. Für zuhause wäre das wahrscheinlich echt noch eine Alternative gewesen.

Und um das an dieser Stelle nur der Vollständigkeitshalber zu erwähnen, bevor jemand sagt: „Aber es gibt ja auch Alternativen zu Tampons.“

⁃ Drei Tassen

⁃ Levantiner Schwämmchen

⁃ Stofftampons (diese zum selbst rollen)

Ich hab‘s fast alles durch probiert: Alles keine wirkliche Alternative.

Die Tassen taten einfach nur weh. Macht heute rückblickend Sinn, weil ich ja u.a in der Scheidenhinterwand Endometriose sitzen hatte. Dass das dann natürlich darauf drücken kann, wundert mich wenig.

Die Stofftampons sind unpraktikabel gewesen, ähnlich wie die Schwämmchen. Die taten nicht weh, was ein Pluspunkt war, aber seine Schwämmchen am Waschbecken vor anderen Leuten auszuspülen, finde ich ähnlich wenig geil, wie das mit den Tassen zu machen.

Versteht mich nicht falsch, ich würde andere dafür nicht verurteilen oder angewidert angucken, aber für mich selbst ist es halt nichts.

Wir müssen drüber reden, dass das nicht immer normal ist. Es ist nicht normal, beim tragen eines Tampons, Schmerzen zu haben. Es ist nicht normal, dass die größte Tampon-Größe manchmal nur 30 Minuten gereicht hat. Es ist auch nicht normal, dass man sich ein Back-Up zulegen muss, weil man ständig Angst haben muss, dass man durchblutet.

Das Alles können Zeichen für Endometriose sein. Hätte ich das damals gewusst, es wäre zusammen mit meinen Schmerzen, ein Warnsignal gewesen. Vielleicht hätte ich noch bewusster wahrgenommen, dass ich doch Endometriose haben könnte, auch wenn Ärzte was anderes behauptet haben.

Mein 11, 15 und 20 Jähriges-Ich, und natürlich alle anderen Ichs dazwischen, hätten diese Info gut brauchen können.

Wir hätten mehr Aufklärung gebraucht.

A), dass es nicht immer normal ist und B), dass es vor allem kein Tabuthema ist und man mit anderen Menschen darüber reden sollte. Weil die einem vielleicht Tipps geben hätten können, aber mir vor allem einen meiner prägendsten Moment ersparen hätten können:

„Ihhhh, guck mal. Die hat einen Blutfleck am Hintern. Die hat bestimmt ihre Tage. Hihihi.“

Kinder und Teenager können grausam sein und wir müssen ihnen beibringen, dass man sich in solchen Momenten nicht lustig macht, sondern den Betroffenen hilft. Vielleicht mit einem: „Hey. Du hast einen Fleck an der Hose. Hast du was zum Wechseln mit, oder willst du was von mir?“

Oder auch einem: „Hey. Ich glaube, deine Binde ist undicht. Willst du meine Jacke haben um sie dir umzuhängen, damit nicht jeder den Fleck sieht?“

Nur, wenn wir erwachsenen es zu einem der normalsten Themen der Welt machen, können die Kinder und Jugendlichen es sich zum Vorbild nehmen und genauso handhaben… und dann muss sich vielleicht irgendwann kein Mensch mehr dafür schämen, dass ihm aus Versehen etwas durchgeblutet ist.

P.s: Solltet ihr mal bei mir zu Besuch sein, oder ich bin mit euch unterwegs: Bedient euch einfach an der Schublade, oder sprecht mich an. Seitdem ich mal in einem unserer Projekte den Moment hatte, wo mich ein 14 Jähriges Mädel nach einer Binde fragte, habe ich immer was im Auto. Damals waren 8 Frauen auf dem Platz und keine konnte mit Binden oder Tampons dienen. Erstaunlicherweise. Für den Fall der Fälle hab ich seitdem immer Tampons und Einmal-Binden im Auto. 😉

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

26. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Bedingt durch das Jahr 2020 geht es vor allem um Corona, meine Endometriose-Diagnose und alles, was sonst so passiert ist. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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