Warum das Meer so wichtig für den „Heilungsprozess“ ist…

Vor fast genau 12 Monaten war ich zuletzt am Meer. Wenige Tage nach der ersten, abgesagten Op. Mit zwei Zysten an meinen Eierstöcken, die 3,5 und 3,8cm groß waren und mich wenige Monate zuvor in die Notaufnahme gebracht hatten.

Frustriert, verzweifelt, verängstigt, wütend, genervt, … Ich wusste nur ansatzweise was vor mir lag. Ich konnte nur ansatzweise erahnen, was ab da folgen sollte und welche Hürden mir noch begegnen würden.

Mit Schmerzen und all diesen Emotionen und Ängsten, die keiner ernst nahm, war ich in Dänemark im Urlaub. Mit meiner Familie. Es war einfach fürchterlich. Mir war nach allem, aber nicht nach Urlaub. Nicht mit der Familie. Nicht unter diesen Umständen.

Und trotzdem machte mich das Meer glücklich. Die einzigen Momente, die ich wirklich genießen konnte, waren am und im Meer.

Heute, ein Jahr später, bin ich wieder am Meer.

Schwer-Chronisch krank, zwei Op‘s später. Ein ganzes Stück Darm weniger, mutmaßlich unfruchtbar. So kaputt wie ich mich vorher nie kaputt gefühlt hatte. Im Verfahren, dass mir eine Schwerbehinderung anerkannt wird. Finanziell in großen Schwierigkeiten, dank der Endometriose und Corona.

Doch egal wie viele Ängste geblieben sind; wie oft, die Wut wieder hochkocht; wie oft ich Trauer um das was war; … ich kann grinsen. Über beide Ohrenspitzen.

Mich am Meer erfreuen. Es einfach fühlen. Riechen. Sehen. Es ist, als würde es ein Stück meines kaputten Lebens wieder flicken. Einfach alles gut machen für den Moment.

Diese Arbeitswoche war wichtig, auf ganz vielen Ebenen. Ich habe viel dazu gelernt. Dinge, die mich und mein Leben betreffen.

Ich habe gemerkt, dass ich körperlich nicht mehr schwer arbeiten kann, egal wie sehr ich möchte. Der Kopf sagt ja, aber der Körper sagt nein. Und das gilt es nun zu akzeptieren. Vielmehr zu lernen, dies zu akzeptieren.

Ich habe gelernt, meine Schwächen zu kommunizieren. Zu sagen, wenn ich es körperlich nicht leisten kann. Wenn ich Pausen brauche. Wenn ich an meine Grenzen komme.

Vor allem aber habe ich eines gelernt: Es geht noch! Ich kann noch die guten, alten, ewig langen Zirkustage im Zelt bewältigen. Ich kann 10 Stunden arbeiten und es fühlt sich gut an.

Eine meiner größten Ängste des vergangenen Jahres war, nie wieder in meinen Job zurück zu finden. Nicht mehr arbeiten zu können, mit diesem kaputten Körper.

Ich hab es mir selbst bewiesen. Ich kann. Ich will. Also mach ich.

Es bleibt beim „langsam angehen lassen“, so dass ich für Ende des Monats schon jemanden suche, der für mich das Zelt auf- und abbaut. Aber ich kann den Rest dazwischen noch. Es geht noch.

Es sind Kleinigkeiten, die den „Heilungsprozess“ ausmachen. Und nein! Es gibt keine Heilung. Aber das Wort „Leidensweg“ klingt fürchterlicher, als der „Heilungsprozess“, der nie enden wird.

Gespräche, Therapie, Ärzte, Medikamente, andere Betroffene…

Und manchmal reicht es einfach, mit den Füßen im Meer zu stehen. ♥️

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

26. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Bedingt durch das Jahr 2020 geht es vor allem um Corona, meine Endometriose-Diagnose und alles, was sonst so passiert ist. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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