Wie ich langsam zum meditieren finde und warum es dafür wichtig war, eine Endometriose-Betroffene als Coach zu haben.

Ich hasse Meditieren. Find ich richtig kacke, kann ich überhaupt nichts abgewinnen und überhaupt: Wer zur Hölle kann bei sowas abschalten?

So ging es mir jahrelang. Ich konnte mit diesen ganzen Mediationen nie was anfangen und wann immer ich es probiert habe, hab ich es nach wenigen Minuten wieder abgebrochen.

Bis ich Toni begegnet bin. Auf meiner Endometriose-Reise bin ich bei Instagram auf @endometrioseinderhose ( https://instagram.com/endometrioseinderhose?igshid=YTM0ZjI4ZDI= ) gestoßen und darauf, was sie alles für verschiedene Meditationen anbietet. Nach langem hin und her hab ich dann schlussendlich „Ja“ zur Meditationschallenge gesagt und hab mir gesagt: „Das probierst du aus.

Kurzfassung: Die ersten zwei Tage waren fast Überflieger ähnlich und dann kam der Abbruch der Challenge. Mir ging’s an Tag drei einfach kacke und ich war überhaupt super unruhig und unzufrieden mit mir, wollte mich aber trotzdem dazu zwingen, die Mediation zu machen, getreu nach dem Motto: „Vielleicht hilft‘s ja.. und vor allem kannst du dir mal Mühe geben, etwas durchzuziehen.“

Seitdem ich am 31.03. mitten in der Dritten Meditation abgebrochen habe, kam ich auch nicht wieder rein. Fühlte sich immer verkehrt an und blöd und irgendwie wie versagt haben und ach, überhaupt einfach alles doof.

Bis heute… ich hab mir die letzten Wochen immer wieder gesagt: „Wenn‘s sich richtig anfühlt, versuchst du es nochmal. Es gibt keinen Zwang das zu tun, es muss sich richtig anfühlen.“ Heute war so ein Tag wo ich dacht, ich könnt das mal wieder versuchen. Also bei Tag 3 weitergemacht.

Was Toni da heute erzählt hat, kann ich ehrlich gesagt, gar nicht wirklich wiedergeben. Irgendwas mit Stress weg und Gelassenheit her. Irgendwelche Lichtkugeln und sowas… ich war 80% der Zeit nicht bei Toni, sondern in meinem Gedankenwirrwarr.

Mal war es meine Sitzposition, die mich beschäftigt hat; dann die Arbeit; dann meine „körperliche Reaktion“ auf Meditationen und schlussendlich die Erkenntnis, warum mir Meditationen so schwer fallen.

Ich poste eigentlich seit einiger Zeit keine Triggerwarnungen mehr, allerdings seid ihr unfreiwillig in diesen Teil gerutscht, weil ihr eigentlich was über Meditationen lesen wolltet, also: Achtung! Es geht nun um psychische Erkrankungen und Suizidalität. Wenn ihr später im Text ein großes, fettes „HIER“ lest, haben wir das Kapitel abgeschlossen und es geht mit dem eigentlichen Thema weiter.

Ich bin länger psychisch krank, als das ich je gesund war und ich weiß gar nicht mehr wie sich ein unbeschwertes Leben anfühlt. Das ist immer meine Kurzfassung um Leuten klar zu machen, dass mein Kopf anders funktioniert als gesunde Köpfe. Und eben dieser anders tickende Kopf ist es, der vor vielen Jahren eines gelernt hat: Sich mit sich selbst auseinander zu setzen und in sich zu gehen, ist ein fürchterlicher Kampf, der meistens nie gut endet.

Genau genommen und sehr klar auf den Punkt gebracht: Seit Jahren ist es so, dass die Momente, wo ich wirklich voll bei mir bin; ich mich durch nichts ablenken lasse und mich nur mit mir, meinen Gedanken und Emotionen auseinander setze, sind zugleich meist die Momente, in denen ich akut suizidal bin. Das ist leider schon seit vielen Jahren so und wird vermutlich auch noch eine ganze Zeit so bleiben.

Das führt aber dazu, dass ich natürlich irgendwann gelernt habe, dass sich mit sich selbst auseinander zu setzen, eine fürchterliche Sache ist, die mir das Leben kosten kann… und bei all der Suizidalität, aber wer möchte sich schon freiwillig in solch eine Situation begeben, wo das eigene Leben in Frage steht?

Folglich habe ich das irgendwann aufgegeben. Ich begebe mich nur noch in solche Situationen, wenn ich Menschen um mich habe, die mir ein Gefühl von Sicherheit geben. Bei den psychotherapeutischen Sprechstunden z.b. ist das kein Problem, weil da weiß ich, lässt man mich erst gehen, wenn ich alleine zurecht komme. Vorher würde man mich nicht in die Welt zurück schicken, wenn ich das nicht alleine verkrafte.

Aber kurzgesagt: Mich mit mir auseinandersetzen, tu ich seit Jahren kaum noch in der Art und Weise. Ich reflektiere mich und dadurch weiß ich sehr gut, was in mir und meinem Leben vor sich geht und warum ich Dinge tue, wie ich sie tue.

HIER!!!

Nun sitz ich also da, soll 15min voll bei mir und meinem Innersten sein und das bitte genießen. Dass das nicht funktionieren kann, dafür braucht man kein Wissenschaftler sein. Ein Mensch, der eine Situation seit vielen Jahren mit etwas negativem verbindet, wird nicht von heut auf morgen Gefallen an der Situation finden können. Man muss seinem Hirn Stück für Stück beibringen, alte Verknüpfungen zu löschen und neue, gute damit zu verbinden. Aber das dauert leider seine Zeit.

So sitze ich nun also in der dritten Meditation von Toni‘s Meditationschallenge und mir kommen ihre klugen Worte in den Sinn, die eine große Brücke für mich bilden. Sie sagte/schrieb sinngemäß so etwas wie: „Manchmal geht’s halt einfach nicht. Dann ist es auch okay, mal einen Tag ohne Meditation zu verbringen. Man muss sich nicht zwingen.“ Und ebenso: „Finde eine Position, die für dich angenehm ist. Sitzen, liegen, alles ist erlaubt.“

Jede Meditation vorher hat mir immer das Gefühl vermittelt, dass ich nun bitte 30Minuten lang, aufrecht mit erhobenem Kopf da sitze, nur bei der Meditation bin und bitte nicht gedanklich irgendwohin abschweife, weil das ja nicht Sinn und Zweck der Meditation ist.

Bei Toni hingegen wurde mir von Anfang an das Gefühl vermittelt: Wenn du lieber liegst, lieg halt. Wenn dir zwischendurch einfällt, dass du noch Bananen kaufen musst, dann schreib‘s halt kurz gedanklich auf deine Einkaufsliste, bevor du dann zur Meditation zurück findest. Alles vollkommen okay. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Diese Meditationen sollen ein Einstieg ins regelmäßige Meditieren bilden und dich langsam heran führen, deinen Kopf auch mal irgendwann für 30-40Minuten auszuschalten. Aber das braucht Zeit. Geduld. Viele Wiederholungen und Routine.

Für mich wird es weitergehen mit Tag 4 der Meditationschallenge. Vielleicht morgen, vielleicht nächste Woche, vielleicht in einem Monat. Denn mein Ziel hat sich geändert. Ich möchte nicht ins regelmäßige Meditieren hineinfinden, sondern ich möchte überhaupt lernen zu meditieren. Viel mehr eigentlich möchte ich lernen, meinen Gedanken mal wieder zuzuhören.

Ich möchte meinem Hirn die Chance geben, eine unangenehme, negative Situation wieder neu zu verknüpfen. Mit etwas schönem, befreienden und entspannendem oder etwas bekräftigendem. Ich wünsche mir, dass mein Hirn irgendwann lernen kann, dass es auch okay und gut sein kann, sich mal nicht abzulenken und stattdessen mal voll in sich hinein zu hören und nur bei sich zu sein.

Etwas, was jahrelang für mich nur negativ behaftet war, wird umprogrammiert.

Und dafür ist es unfassbar gut, eine Endometriose-Betroffene gefunden zu haben, die Meditationen anbietet. Denn Toni hat mir von Anfang an das Gefühl vermittelt, dass ich das alles in meinem Tempo machen darf, auf meine Art und Weise und so wie ich mich wohl fühle. Sie weiß selbst, dass man als chronisch kranker Mensch nicht immer so kann, wie man will/soll und das man deswegen die Situationen individuell anpassen muss.

Ich muss nicht 30min aufrecht sitzen, den Kopf hoch halten und darf bloß nicht an was anderes denken. Es ist okay, dass ich die Meditation von heute nicht wiedergeben kann. Denn Ziel ist es nicht, die Vorgaben anderer zu erreichen, sondern mir selbst ein Ziel zu setzen.

Und mein Ziel ist es, in einem 15 Minuten-Rahmen, mit Hilfe von Tonis Worten, meinen Körper bewusst zu entspannen (oder zu stärken, je nachdem was ich brauche) und einfach mal zuzulassen, 15min bei mir und meinem Kopf zu sein. Mit dem kleinen Hintergedanken, dass ich vielleicht eines Tages, die vollen 15Minuten genau bei dem bin, was Toni sagt und es selbst voll und ganz wahrnehme.

Aber bis dahin mache ich Mini-Schritte. Bei mir sein, mich mit meinen Gedanken auseinander setzen und dabei nicht in eine Krise geraten. Mag nach nicht viel klingen, ist für mich aber ein riesiger Meilenstein.

Danke dir, liebe Toni! ♥️

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

26. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Bedingt durch das Jahr 2020 geht es vor allem um Corona, meine Endometriose-Diagnose und alles, was sonst so passiert ist. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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