Tag 11 – Wie geht es mir?

Tag 11 nach der Bauchspiegelung – Wie geht es mir?

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Gut. Wirklich gut, ist wohl meine Antwort auf die Frage. Mit ein paar kleinen Einschränkungen.

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Es könnt wesentlich schlimmer sein, wenn man überlegt, dass das meine Klebstoffallergie, eines von zwei „kleinen“ Symptomen ist. Das ich auf die Pflaster allergisch reagiere und die letzten zwei Tage immer wieder mal Krämpfe hatte, die aber gut zu managen waren.

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Das ist nichts, wenn man sich überlegt, dass ich am 14.09. eine knapp 1 1/2 Stündige Bauch-Op hatte, bei der mir Gewebe an verschiedenen Stellen und Organen entfernt wurde.

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Die Krämpfe tauchen immer recht plötzlich und ohne Ankündigung auf, wo ich bisher auch noch kein Muster feststellen konnte. Leichtes ziehen kenne ich, wenn ich lange gesessen habe und mich dann hinstelle, aber die Krämpfe… ich weiß nicht so recht.

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Wenn ich von Krämpfen spreche, rede ich von einer Nichtigkeit. Es sind Krämpfe, ja… aber nachdem was ich über ein Jahrzent lang als Krämpfe betitelt habe, sind die aktuellen wirklich nichts. Also im Vergleich ist das wirklich nichts. Natürlich tut es weh, aber mit etwas gezieltem Atmen, sind die Schmerzen bald verschwunden. Also kaum einer Rede wert.

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Wie ihr unten auf den Fotos sehen könnt, sehen die Wunden echt gut aus. Die sind etwas „feucht“, weil ich jeden Tag Bepanthen drauf mache, damit die nicht austrocknen und dann wieder reißen. Handhabt jeder anders, für mich klappt es.

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An dieser Stelle darf man nicht vergessen, dass ich mir vor vier Tagen selbst die Fäden gezogen habe, die sich eigentlich irgendwann selbst aufgelöst hätten. Sonst würde vor allem die untere Narbe, die zwei Querstiche hat, vermutlich anders aussehen.

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Leider macht sich meine Klebstoffallergie nun sehr bemerkbar. Die Haut um die Wunden ist teils richtig offen. Tatsächlich war die schlimmste von allen, schon neu verpflastert, als ich die Fotos gemacht habe… aber bei dem rechten Foto von den Wunden, kann man es erahnen. Da sind auch zwei offene Stellen zu sehen.

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Mittlerweile habe ich offene, wunde Stellen und viiiiiel sich pellende Haut. Pellend ist eigentlich der falsche Begriff. Schuppend trifft es wohl eher. Also muss ich jetzt statt kleinen Pflastern wieder große nehmen, damit die offenen Stellen mal verschont werden und auch mal Bepanthen abbekommen.

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Im besten Fall sind die Wunden bald so zu, dass ich sie nicht mehr abkleben muss, sondern nur noch etwas eincremen muss, damit sie nicht austrocknen und aufreißen.

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Ansonsten fühle ich mich gut. Immer noch recht müde und schnell platt, aber da weiß ich nicht, ob es die Op, die Depressionen oder einfach was anderes ist. Ich penne recht viel. Nachts so um die 8 Stunden, tagsüber oftmals auch noch 2-4 Stunden.

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Es gibt so zwei, drei Kleinigkeiten, wo ich noch unsicher bin.

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Ich trau mich noch nicht, große, Gestreckte Bewegungen zu machen. Zum einen aus Angst, dass die Wunden aufgehen und zum anderen, weil ich eben nicht sehen kann, wie die Wunden im Inneren aussehen.

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Ich traue mich noch nicht zu staubsaugen, weil dieses hin und her gelaufen, mit überall darunter strecken und recken, über eine halbe Stunde, bis die Wohnung komplett gesaugt ist… das klingt einfach nicht nach was, was ich tun sollte. So bleibt der Fußboden dreckig, aber hey: ich hab immerhin eine Ausrede. 😉 Und den restlichen Haushalt mache ich ja. Bad putzen, Wäsche waschen, Herdplatten schrubben, aufräumen…

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Heute liefert GetNow wieder Lebensmittel und auch da, bin ich noch unsicher. Ich werde den Lieferanten heute wieder hochtragen lassen. War früher nie meins, ich hab immer alles unten an der Haustür angenommen, aber ich hab Angst beim schleppen hier hoch, einfach zu verrecken, oder mir was aufzureißen. Und wenn ich noch weitere zwei Wochen keinen Sport machen darf, sollte ich wohl auch keine Schlepperein machen.

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Und zu guter letzt, traue ich mir Autofahren nicht zu. Zum einen, weil ich halt noch viel Müdigkeit verspüre und deshalb etwas träge unterwegs bin… aber vor allem weil ich zu viel Angst habe, dass ich mal scharf bremsen muss. Klingt vielleicht blöd, aber ich hab halt Angst, dass wenn ich scharf bremse, der Gurt zu in den Bauch drückt, oder der Körper an sich so einen Ruck bekommt, dass ich halt innen was aufreiße.

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Ihr seht schon: Diese Ungewissheit wie es in meinem Körper aussieht, schränkt mich ein. Ich fühl mich an sich ja echt gut, aber ich hab halt Angst, dass genau das täuscht und die Wunden im Bauchraum noch „roh“ sind und nicht so verheilt sind, dass sie wirklich stabil sind und was aushalten können.

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Ich mag halt einfach nicht irgendwas blödes tun und dann als Notfall in die Klinik müssen, weil ich plötzlich innere Blutungen von den Wunden habe.

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In drei Wochen ist der Nachsorgetermin im Endo-Zentrum. Da dürfte ich auch erfahren, wie gut es mir wirklich geht.

Die neue Gyn, bei der ich Montag war, hat von sich aus gesagt, dass sie noch keinen vaginalen Ultraschall machen will, weil das bei meinem Eingriff einfach unangenehm wäre und solange keine massiven Beschwerden bestehen, gibt es keinen Anlass, warum es nötig wäre.

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Da bin ich auch sehr dankbar drum, denn der Ultraschall am Tag der Entlassung, war leider ein Alptraum. Vaginale Untersuchungen sind noch nie angenehm gewesen und ich musste den Schmerz immer schon veratmen, aber es war bis dato auszuhalten.

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Bei der Abschlussuntersuchung am dritten Tag, wurde halt ein vaginaler Ultraschall gemacht. Das an sich war schon fies, aber als sie die Position des Schallkopfes verändern musste, mussten wir abbrechen. Das war leider nicht auszuhalten. Kein Wunder: Im Bauch operiert, an der Blase, an der Wand zwischen Vagina und Darm, plus eine Darmuntersuchung und eine Gebärmutterspiegelung. Das da unten dann alles weh tut und verspannt ist, wundert wohl niemanden. 😉

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Wie gesagt, im Großen und Ganzen geht es gut. Und tatsächlich habe ich ein positives Update, von zwei Dingen, die sich wirklich massiv verbessert haben.

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Erstens: Ich hatte ja fast tagtägliche Schmerzen vor der Op. Das ist Vergangenheit. Also ja, es ziept hier und da, aber das ist kein Unterschied zu vorher. Und auch die Blutung, die ich zwei Tage nach der Op bekommen habe (die ist noch ganz, ganz, ganz leicht da mit eins, zwei Tropfen am Tag, aber seitdem ich die Pille nehme, ist sie von einem auf den anderen Tag quasi weg gewesen), war harmlos. Keine massiven Schmerzen oder Krämpfe. Auch die Krämpfe, die ich jetzt habe, sind halt wirklich nichts gegen die Schmerzen, die ich früher hatte. Also mein Schmerzempfinden hat massiv von der Op profitiert!

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Zweitens und das freut mich auch sehr: Meine Blase und ich kommen wieder besser zurecht. Vor der Op bin ich alle zwei Stunden auf Toilette, weil ich so einen Druck auf der Blase hatte. Länger habe ich es kaum ausgehalten. Meist kam aber kaum was, weil es eben nur der Druck von den Zysten und der Endo, auf die Blase war.

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Kurz nach der Op, als ich wieder zuhause war, hatte ich ein paar Nächte, wo ich vor Schmerzen hochgeschreckt bin. Wenn ich dann auf Toilette bin, wurde es sofort besser. Die Gyn am Montag, hatte gesagt, dass es erstmal sein darf, aber in spätestens ein bis zwei Wochen besser sein sollte. Ich sollte mir entweder einen Wecker in der Nacht stellen, oder abends eine Ibu einwerfen. Ich hab die ersten zwei Nächte den Wecker gewählt. Danach war beides nicht mehr nötig, denn…

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…es ist besser geworden! Ich wache nicht mehr Nachts mit Schmerzen auf, sondern erst morgens, wenn ich ausgeschlafen bin. Dann habe ich definitiv leichte bis mittlere Schmerzen, aber auch diese erledigen sich direkt nach dem Toilettengang und sind somit auch kaum noch der Rede wert.

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Auch tagsüber steigere ich mich stetig. Ich halte es einige Stunden aus, bis ich zur Toilette muss, es wird also immer besser. Für mich ist das eine riesige Erleichterung, weil es genug Endo-Patientinnen gibt, die diese Probleme dauerhaft haben, oder sogar Inkontinent sind. Zu merken, dass ich wieder länger aushalten kann und nicht mehr mit Schmerzen nachts hochschrecke, nicht viel Last von den Schultern, weil man den Punkt von der Symptom-/Nebenwirkungsliste streichen kann. 😉

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Edit: Nachdem ich den Post fertig hatte, fiel mir noch was ein: Seit Montag nehme ich das Hormonpräparat Dinuve, mit dem Wirkstoff Dienogest. Ich kann nicht wirklich was viel dazu sagen, nur so viel: Meine Blutung, die ich bis dahin hatte, war von einem auf den anderen Tag verschwunden. Ich behaupte, es ging mit der Pille zusammen, alles andere wäre doch sehr großer Zufall gewesen. Ansonsten merke ich noch nichts. 😉

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Und da ich nun so viel positives vermelden kann, mag ich mal die Klinik empfehlen!

Ich hab sie über die Endometriose-Vereinigung gefunden, die auf ihrer Webseite zertifizierte Endo-Zentren verlinken. Dort war die nächste Klinik in unserer Umgebung, die Landesfrauenklinik, der Helios Universitätsklinik Wuppertal-Barmen.

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Der Zufall wollte es dann so: eine gute Freundin hat dort, auf genau der Station wo ich lag, eine Zeit gearbeitet, weil sie ihre Pflegeausbildung in der Klinik macht. Somit hatte ich aus erster Hand eine Empfehlung und sie hatte Recht.

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Großartige Ärzte, großartige Pflege und überhaupt bin ich in der Klinik nicht einem Mitarbeiter begegnet, der nicht freundlich und hilfsbereit war. Keine Ahnung, ob die Arbeitsbedingungen dort besser sind, als an anderen Kliniken, die Bezahlung stimmt oder dort einfach alle für ihren Job brennen: Ich habe mich immer pudelwohl in der Klinik gefühlt und wirklich gut behandelt.

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Wer also in der Umgebung von Wuppertal (Ich fahr 45 Minuten, weil es eben das nächste zertifizierte Zentrum ist) wohnt, sollte diese Klinik in Betracht ziehen. Ich kann sie nur wärmstens empfehlen! 😉

Das sind die Linke und die untere Wunde.

Hormonbombe – Ich komme!

Here we go: Ab heute heißt es tagtäglich bis zu den Wechseljahren (oder einem akuten Kinderwunsch), die Hormonbombe durchnehmen.

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Ich hatte heute, genau eine Woche nach der Op, einen Termin bei meiner neuen Frauenärztin. Top Frau! Ich habe in meinem Leben 3 Gynäkologinnen durch probiert. Zwei als Teenager, eine als Erwachsene. Bei allen drein muss ich im Nachhinein den Kopf schütteln, aber noch viel besser: Meine neue Frauenärztin schüttelte den Kopf, als ich die Geschichte erzählt habe. „Ich versteh es nicht. Wenn Frauen vorstellig werden und sagen, sie haben massive Schmerzen, muss man doch als Arzt hellhörig werden. Zumal die Erkrankung ja nicht erst seit gestern existiert.“ – Zitat der neuen Gyn. Da kann sich jeder vorstellen, wie ich mich gefühlt habe.

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Ich hatte einen Zettel mit Fragen dabei. Das erste Mal in meinem Leben. Vieles wusste ich ja schon, aber ein paar Fragen blieben nach der Op offen. Und siehe da: Von meinem Fragenzettel habe ich genau drei Fragen gestellt… den Rest hat sie von sich aus alles erzählt, ohne dass ich was sagen musste. Ich wurde so gut aufgeklärt wie noch nie. Traurig, wenn man überlegt, dass ich seit etwa 14/15 Jahren zur Gynäkologin gehe, wie sich heute herausstellte. Die neue Ärztin ist Nachfolgerin einer der Ärztinnen, bei denen ich früher war… und da war ich wohl zuletzt vor 13 Jahren. Da ich davor bei einer anderen Gynäkologin war, muss ich wohl doch schon seit 14/15 Jahren meine Periode bekommen und dementsprechend lange die Symptome schon haben… und ich hab zunächst 12/13 Jahre geschätzt.

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Nun ist der Plan, mir die Hormonbombe einzuwerfen, damit ich schmerzfrei durch‘s Leben gehen kann. Es heißt also nun für mich als Pillenablehnerin: Ausprobieren und Nebenwirkungen gegen Erleichterung abwägen und ggf neu überlegen. Ich bekomme nicht die klassische Pille. Mein Medikament ist nicht die Visanne, wie bei vielen anderen Betroffenen, sondern die Dinuve. Am Ende ist es der gleiche Wirkstoff, hat nur einen anderen Namen.

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Der Unterschied zwischen meinem Medikament und einer klassischen Pille liegt darin, dass mein Medikament offiziell nicht als Verhütungsmittel verkauft werden darf, sondern nur zur reinen Endometriosebehandlung zugelassen ist. Und entgegen dem „klassischen“ Pillenzyklus (von dem ich kaum noch mitbekomme, dass er existiert, wenn ich mir mein Umfeld anschaue), muss ich diese Pille durchnehmen. Bis ich tot umfalle… okay, der Teil ist gelogen. Tatsächlich „nur“ bis zu den Wechseljahren, denn dann sollte der Spuk der Endometriose nachlassen. Wenn man sich überlegt, wann die Wechseljahre im Durchschnitt einsetzen… das ist noch ganz schön lang hin.

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Alternativ dazu, könnte es auch irgendwann heißen: Ich habe einen Kinderwunsch. Dann setzt man das Medikament ab, versucht direkt eine Schwangerschaft „herbeizuführen“ (wenn das alles immer so einfach wäre, gäbe es wohl keine Kinderwunschzentren) und schaut dann nach der Geburt, wie die Endometriose sich verhält. Sollte eine direkte Schwangerschaft nicht möglich sein, so würde man mich an ein Kinderwunschzentrum verweisen. Zukunftsmusik, die noch sehr weit entfernt spielt, aber interessant das nochmal gehört zu haben.

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Nun wieder weg von meiner Hormonbombe, die ich nicht gerne nehme, aber ihr zumindest eine Chance geben will. Ab sofort darf ich mir nun für die Nacht einen Wecker stellen. Aktuell wache ich nachts immer mit heftigen Schmerzen auf, wenn die Blase voll ist… und das ist sie aktuell immer noch sehr schnell. Damit das nicht passiert, muss ich nun nachts regelmäßig aufstehen. Zumindest die ersten ein bis zwei Wochen noch. Danach sollte es sich eigentlich von alleine erledigen. Wenn nicht, müsste man abklären, ob die Blase bei der Op was abbekommen hat. Alternativ zum Wecker dürfte ich sonst jeden Abend eine Ibuprofen nehmen, bevor ich schlafen gehe, damit die Schmerzen nicht so schlimm sind. Aber nach dem jahrelangen Schmerzmittelkonsum, muss erstmal die „harmlosere“ Variante her, bevor ich mir jetzt jeden Tag wieder Schmerzmittel einwerfe.

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Auch bzgl begleitenden Therapieangeboten hat die Ärztin mich aufgeklärt. Die Klinik hatte im Brief zwar geschrieben, dass man mit mir über eine Reha gesprochen hätte… ist nur leider in Wirklichkeit nicht passiert. Das hat die Ärztin jetzt nachgeholt. Für jemanden, der sich über ein Jahrzehnt mit Schmerzmitteln zudröhnen musste, weil Ärzte alles für „ach so normal“ erklärt haben, ist das ja auch das Minimum, dass man mal drüber aufgeklärt wird, was man für Rechte als Patient hat. Sie sagt, dass man grundsätzlich mit Endometriose eher nicht die super Chancen hat, eine Reha genehmigt zu bekommen. Da ich allerdings so eine schwere Form habe und einen so schweren Verlauf, empfiehlt sie die Klinik nochmal drauf anzusprechen. Die wären zuständig. Wenn dabei nichts herumkommt, soll ich aber jeder Zeit Bescheid geben. Ich vertage dies auf Mitte Oktober, wenn ich meinen Termin zur Kontrolle in der Klinik habe und wir über die Darm-Op sprechen. Dann kann man ja frühzeitig dafür eine Reha beantragen. Denn ganz ehrlich? Die brauche ich mittlerweile dringend, alleine auf Grund meiner Psyche.

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Ich habe nun endlich einen Fahrplan. Wir alle kennen den Nahverkehr, der kommt gerne mal unpünktlich oder fällt komplett aus… aber der Fernverkehr funktioniert bis auf Ausnahmen, meist recht gut. So bin ich zumindest bisher immer ganz gut mit der Bahn durch‘s Land gefahren. So betrachte ich jetzt meinen Verlauf mit der Krankheit. Kann sein, dass es in naher Zukunft noch viele Hürden geben wird, aber wenn das langfristige Ergebnis stimmt, ist das okay.

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Zum Abschluss gibt es nochmal zwei Fotos. Da kann man mal sehen, was das für Bomben sind, die Betroffene sich einwerfen müssen. Und dann sind sie nicht mal in den Langzeitwirkungen erforscht.

Post-Operativ – Tag 5

Tag Fünf – Post-Endometriose-Operativ.

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Mein bisheriges Fazit, bevor es ins Wochenende geht.

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Schmerzen habe ich kaum noch welche.

Die, die ich zwischendurch habe, kommen von zu langem stehen, denn alles wo der Oberkörper gestreckt wird, tut einfach noch weh und muss „veratmet“ werden.

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Außerdem ist regelmäßig auf Toilette gehen ein muss. Im Gegensatz zu vor der Op, wo ich ständig den Druck auf die Blase gemerkt habe, merke ich es nun erst nach Stunden, wenn ich Schmerzen dadurch bekomme. Besonders nachts ist das anstrengend. Man wird wach und weiß erst nicht woher der scharf, stechende Schmerz kommt, bis man sich schlaftrunken dran erinnert: Ich war seit x Stunden nicht mehr auf dem Klo.

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Ein weiteres gravierendes Problem: Ich fresse aktuell wie ein Schwein. Ich kann nicht mal erklären woher das kommt, aber ich habe den ganzen Tag unendliche Gelüste und fresse eigentlich durchgängig. Ich rätsel noch, woran es liegt.

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Seit heute macht sich die Pflaster-/Kleberallergie bemerkbar. Der Bauch ist teils schon „offen“, weil ich so extrem auf die Pflaster reagiere. Mittlerweile kleben die kleinstmöglichen Pflaster drauf und drum herum wird regelmäßig Bepanthen geschmiert, aber helfen tut das nur bedingt. Vor allem in den „Falten“ scheuert es ganz schön.

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Zu guter letzt merke ich, dass es gut ist, jemandem von der Pflege zur Freundin zu haben. Sowas wie die Problematik mit den Pflastern z.B. konnt ich ihr jetzt schreiben und weiß, da bekomme ich adäquate Antwort. Ansonsten würde mir Hinz und Kunz Ratschläge erteilen, aber was sinnig ist, wüsste ich nicht.

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Und auch zu wissen, man hat jemanden, den man bei wirklichen Sorgen anrufen könnte, hilft. Die eine Naht, die unten am Schambein liegt, tut weh. Druck- und Zugempfindlich ist sie. Alles gut aushaltbar, aber eben merkbar. Außerdem ist sie leicht rötlich. Noch nichts, wo ich jetzt panisch im Kreis renne, aber ich bin aufmerksam. Jeden Tag Pflasterwechsel und gründlich hingucken, ob sich was ändert.

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Sollte ich jetzt am Wochenende feststellen, das wird rötlicher, gäbe es für „normale“ Menschen eigentlich nur den Weg in die Notaufnahme oder den Anruf beim Notdienst der Ärzte, ob das alles noch normal ist. So aber, kann ich sowohl besagte Pflegekraft, als zur Not auch meinen Berufsfeuerwehrmann-Bruder anrufen und die beiden drauf schauen lassen. Wenn die sagen, dass ist alles noch im Rahmen, ist es okay. Wenn die beiden aber sagen würden, da muss ein Arzt drauf schauen, weiß ich, dass es doch schon grenzwertiger ist.

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Ich will beide nicht wirklich damit nerven und versuch das meiste alleine mit mir auszumachen, aber es ist gut zu wissen, man hat Leute vom Fach hinter sich. Das gibt gerade am Wochenende eine gewisse Ruhe und Sicherheit.

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Die 45 Minuten Spaziergang heute, waren Kräfte zerrend. Ich hätte danach gut einen Mittagsschlaf machen können, hab es aber vermieden. Mein Schlaf ist gerade ziemlich durchwachsen. Ich schlafe mal super ein, dann wieder stundenlang gar nicht. Dann penn ich 7 Stunden durch ohne Probleme und am anderen Tag wach ich nach 3 Stunden mit extremen Schmerzen auf, weil ich zur Toilette muss.

Letzte Nacht/gestern Morgen, bin ich z.B mit massiven Schmerzen auf Toilette und war danach so kaputt und müde, dass ich mich nochmal bis zum Mittag schlafen gelegt habe.

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Ich gönne meinem Körper jede Ruhe, die er jetzt braucht. Er hat sich das verdient. Aber wenn ich mich jetzt tagsüber auch schlafen lege, penn ich nachts bald gar nicht mehr.

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Zu guter letzt kann man aber sagen: Ich schlafe dafür jetzt wieder auf allen Seiten. Ich hatte die ersten Tage ja massiv mit Schulterschmerzen auf der rechten Seite zu kämpfen, die es unmöglich gemacht haben, auf der Seite zu liegen. Diese waren gestern endlich verschwunden und ich meine sogar, ich wäre nachts auf der rechten Seite eingeschlafen. 😉

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Es sind turbulente Tage und mein Fragenkatalog für den nächsten Arztbesuch am Montag wächst fleißig… aber ich fühle mich so gut, wie lange nicht mehr.

Endometriose – Stufe 4 – Here we go!

Tja, seit Montag ist es nun ganz offiziell:

Ich habe Endometriose, der Stufe 4. Es gibt offiziell 4 Stufen, wobei die 4. die „schlimmste“ ist. An dieser Stelle sei klar gesagt: Keine Patientin kann über ihre Stufe beurteilt werden. Es gibt Patientinnen, die in Stufe 1 sind, aber genauso Schmerzen wie bei Stufe 4 haben und umgekehrt.

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Ich habe vor Jahren schon von der Erkrankung gehört, aber nie gewusst, wie viele Menschen dies betrifft. Damals war es für mich eine Erkrankung, die schlimm ist, aber nicht so häufig vorkommt.

Seit dem Verdacht im Juli, habe ich in meinem direkten Umfeld bereits 4 weitere Frauen ausmachen können, die an Endometriose erkrankt sind. Herausgefunden habe ich das nur, weil ich offen über meine Erkrankung gesprochen habe.

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Mittlerweile weiß ich, dass Endometriose nichts seltenes ist. 1 von 10 Frauen ist durchschnittlich erkrankt. Diagnostiziert wird die Erkrankung meist aber erst nach 10 Jahren Leidensweg. Heute, zum Glück, immer früher, als noch vor ein paar Jahren, weil immer mehr Ärzte über die Erkrankung Bescheid wissen und vor allem immer mehr Frauen, davon etwas gehört haben und dann selbst aktiv werden können, wenn sie die selben Symptome bei sich feststellen.

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Als ich vor etwa 13/14 Jahren meine Periode zum ersten Mal bekam, fing der Albtraum an. Jeden Monat lag ich mindestens zwei Tage im Bett, oft vor Schmerzen weinend, zitternd und mit Kreislaufzusammenbrüchen, oder ständigen Erbrechen.

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Drei Gynäkologen haben mich in all den Jahren nicht ernst genommen: „Das ist vollkommen normal, dass Frauen Schmerzen haben, wenn sie ihre Tage bekommen.“ Wie oft ich mir diesen Satz anhören musste, ich weiß es nicht mehr. Ärzte, andere Frauen, Sportlehrer,… Jeder hatte diesen „schlauen Spruch“ parat, dass es das normalste sei, wenn Frauen vor Schmerzen fast sterben möchten.

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Den genauen Leidensweg habe ich in meinem YouTube-Video erzählt. 😉

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Ich kann meinem Körper förmlich dankbar sein, dass er dieses Jahr noch zwei Zysten an den Eierstöcken drauf gelegt hat. Diese führten zu solchen massiven Schmerzen, wie ich sie bis dato noch nicht kannte, so dass ich als Notfall in die Klinik kam. Viel Rätselraten später (und eine Koloskopie, die besagte, mein Darm wäre in Ordnung), kamen endlich die Zysten im Ultraschall zum Vorschein. So groß, dass ich sie als Laie nicht übersehen konnte.

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Diese Montag hatte ich endlich die Bauchspiegelung, die nach aktuellen Stand der Medizin, der einzige Weg ist, die Diagnose gesichert zu stellen. Die Zysten, sowie einige Endometrioseherde, sind endlich weg. Von nun an, dürfte ich ein wenig beschwerdefreier sein, als bisher.

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Leider ist auch klar geworden, dass mein Darm nicht so gesund ist, wie es die Klinik im Juni noch erzählte. Der Übergang vom Dünndarm zum Blinddarm sei wohl massiv befallen (soweit ich die beiden Darmteile richtig erinnere). Jedenfalls hat die Endometriose dort bereits dafür gesorgt, dass sich mein Darm neu schlängelt, weil die Herde ihn aus seiner natürlichen Position verdrängen. Eine Darmsanierung ist so gut wie unausweichlich. Damit einhergehend, werde ich einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang bekommen. Ein großer Kampf steht also noch bevor.

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Anbei will ich euch einmal die Kurzfassung geben, welche Diagnosen in meinem Entlassbrief stehen.

Tief-infiltrierende Endometriose: Die Endoherde dringen tief in betroffenes Gewebe ein und können von massiven Schmerzen bis hin zu Organversagen reichen.

Ovar beidseitig heißt, dass beide Eierstöcke von der Endo betroffen sind/waren. Bei mir besonders in Form von Schokozysten.

Adenomyosis ist eine vergrößerte Gebärmutter.

Septum rectovaginale ist die Wand zwischen Rectum und Vagina. (Sehr offensichtlich, ich weiß…)

Darmendometriose erklärte ich bereits weiter oben.

Uterus Supseptus ist die fehlgebildete Gebärmutter, die besonders häufig für Fehlgeburten verantwortlich ist.

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Nun heißt es bis Montag abwarten und dann bei einer neuen Gynäkologin vorstellig werden. Diese hat bereits in der Vergangenheit in einer anderen Klinik, Endometriose-OPs durchgeführt und ist daher mit der Materie vertraut.

Sie wird ggf meine Fäden ziehen und sich mal selbst ein Bild von der Lage machen. Vermutlich werde ich mit ihr auch schon einen ersten Plan erarbeiten, wie es nun bis Mitte Oktober weitergeht, bevor ich dann die Oberärztin aus der Klinik wiedersehe und nochmal mit ihr spreche, wie wir weiter verfahren und wie die Darm-Sanierung ablaufen wird.

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Der erste Kampf ist gekämpft. Nun heißt es den Wunden Zeit zum heilen geben und schauen, wie wir die Endometriose in den Griff bekommen können.

Dann folgt die Darmsanierung und danach dürften die zwei größten Kämpfe gekämpft sein. Danach muss man dann schauen, dauerhaft medikamentös gut eingestellt zu sein und möglichst schmerzfrei zu leben. Ob dies nur mit Medikamenten gelingt, oder ob irgendwann rigorosere Schritte folgen müssen, bleibt fraglich… aber vor allem Zukunftsmusik.

Welttag der Suizidprävention – Anzeichen und Hilfe

Triggerwarnung: Der folgende Blog-Eintrag ist am 10. September 2020 online gegangen. Heute ist der Welttag der Suizidprävention. Sollte Dich das Thema triggern, bitte ich Dich, nicht weiterzulesen.

Solltest Du das Gefühl haben, Hilfe zu brauchen, findest Du diese bei der Telefonseelsorge:
https://www.telefonseelsorge.de/international-helplines/

Desweiteren habe ich einen Blog-Eintrag über meine eigenen Suizidversuche verfasst:
https://kleinekaeferin.blog/2020/09/10/welttag-der-suizidpraevention-meine-suizidversuche/
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Du bist nicht alleine und Du kannst den Kampf gegen die Ausweglosigkeit gewinnen!

10. September – Welttag der Suizidprävention.
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2003 hat die WHO den Aktionstag ins Leben gerufen. Rund 800.000 Menschen nehmen sich jährlich weltweit das Leben. Das bedeutet, dass sich alle 40 Sekunden, ein Mensch das Leben nimmt. Die WHO geht davon aus, dass auf jeden vollendeten Suizid, 20 versuchte kommen.
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Jährlich sterben mehr Menschen durch Suizide, als durch alle Kriege zusammen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, wenn man z.B. ungeklärte Autounfälle, Essensverweigerung, oder absetzen von Medikamenten als mögliche Suizide hinzuzählt.
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In Deutschland nehmen sich jährlich etwa 10.000 Menschen das Leben. Damit stellen Suizide die häufigste Todesursache dar. Selbst, wenn man Verkehrs-, Drogen- und Aidstote zusammenzählt, bleibt die Zahl der Tode durch Suizid höher.
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Mit etwa 75% stellen Männer die meisten Suizidtoten dar. Jedoch werden die meisten Suizidversuche von jungen Frauen unternommen. Somit sind alle Geschlechter gleichermaßen von Suiziden und den Absichten zu solchen, betroffen.

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Rund 600 der Opfer sind Jugendliche und junge Erwachsene (bis 25). 2018 haben sich in Deutschland 192 junge Menschen zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr, das Leben genommen. Das Durchschnittsalter aller Suizidtoten liegt bei 58 Jahren. Am häufigsten betroffen sind jedoch ältere Männer.

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Jeder dritte, der einen Suizidversuch überlebt hat, versucht sich erneut das Leben zu nehmen.

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Nimmt sich ein Mensch das Leben, sind durchschnittlich mindestens sechs weitere Menschen durch den Suizid betroffen. Angehörige und Freunde sind als Hinterbliebene durch die Suizide ebenso betroffen, wie Arbeitskollegen, Mitschüler oder gar Zeugen des Suizides.

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Woran erkenne ich, ob ein Mensch möglicherweise suizidale Absichten haben könnte?

Er droht den Suizid an. Es gibt Menschen, die ganz klar sagen, dass sie sich das Leben nehmen wollen. Dies sind nicht nur „leere Aussagen“, sondern können durchaus sehr ernst gemeint sein.

Wer Äusserungen macht, wie z.B.:
„Das macht doch alles keinen Sinn mehr“ oder „Es reicht so langsam einfach mal“, könnte ernsthafte Absichten haben, seinem Leben ein Ende zu setzen. Große Hoffnungslosigkeit ist ein häufiger Grund für Suizidversuche.

Suizidgefährdete nehmen Abschied und sorgen für geordnete Verhältnisse.
Ein Suizidgefährdeter hat häufig den Wunsch, für die Hinterbliebenen alles so geordnet wie möglich zu hinterlassen. Testamente, Patientenverfügungen und Abschiedsbriefe werden verfasst. Oftmals verabschieden sich gefährdete Menschen liebevoll von ihren Angehörigen und Freunden, wenn sie diese ein letztes Mal besucht oder am Telefon gesprochen haben.

Jemand, der mit dem Leben abgeschlossen hat, ruht oftmals in sich und scheint wenig verzweifelt. Angehörige könnten zu dem Schluss kommen, dass es dem Betroffenen besser gehen muss.

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Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, jemand könnte suizidgefährdet sein?

Reden sie mit demjenigen. Sprechen sie ihn konkret auf ihren Verdacht an. Viele Suizidgefährdete Menschen merken durch diese Ansprachen, dass sich die Angehörigen sorgen und Angst um sie haben. Dies kann zum einen dazu führen, dass Betroffene sich öffnen und über ihre Probleme reden, oder zumindest sehen, dass sie nicht so alleine sind, wie sie es vielleicht annehmen. Viele gefährdete überdenken ihre Absichten.

Suchen sie professionelle Anlaufsstellen auf. Therapeuten, Hausärzte oder Sozialarbeiter können professionelle Hilfe leisten, die man als Angehöriger nie ersetzen und nicht annähernd so gut leisten kann.

– In akuten Krisen übernehme die Verantwortung für den Suizidgefährdeten. Begleite ihn zum Arzt oder in die Klinik.

– Bei einem akuten Suizidversuch, oder Androhungen zu solchen, rufe die 110 oder 112 an!
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Quellen: Therapie.de / Wikipedia.de: Suizid / Deutsche Depressionshilfe / destatis.de / de.statista.de

Schon mal beim pinkeln, vor Schmerzen fast von der Toilette gefallen?

Da ist er wieder… dieser Schmerz im Bauchraum, der alles zusammen ziehen lässt. Der dafür sorgt, dass ich nun wieder in Embryonalstellung auf dem Sofa liege, nachdem ich mit Mühe und Not noch meinen Weg zur Toilette, zur Mikrowelle und zurück zum Sofa geschafft habe. Fünf Minuten auf den Füßen und einen Kreislaufabsacker später, liege ich also wieder.

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Der Schmerz hat sich die letzte Stunde über angekündigt. Auch wenn ich sonst nichts mehr an Wehwehchen meines Körpers deuten kann, weil mein Körper und sein Verhalten sich in den letzten 6 Monaten radikal geändert haben, so erkenne ich diesen Schmerz wieder. Genau dieser Schmerz war es, der mich am 05.06. nach Stundenlanger Qual dazu brachte, in der Notaufnahme vorstellig zu werden und dann sechs Tage stationär zu bleiben. Ohne Ergebnisse.

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Mittlerweile, fast drei Monate später, weiß ich woher die Schmerzen kommen. Endometriose ist das Stichwort. Die Zysten und die Anamnese waren so klar, dass die Ärztin im Endo-Zentrum sich seeeehr sicher ist. Die abklärende Bauchspiegelung wurde ja leider um vier Wochen verschoben. Mittlerweile bereue ich es zu tiefst, dem Familienurlaub eine Chance gegeben und nicht den Ersatz-Op-Termin wahrgenommen zu haben. Erstes ist kläglich gescheitert, zweites hätte für Klarheit und Schmerzerleichterung gesorgt.

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Nun warte ich seit fast zwei Wochen auf meine Tage, die nicht kommen wollen, obwohl sie die letzten Jahre auf den Tag genau kamen. Der Stress der letzten Wochen und Monate war dann jetzt wohl zu viel. Des Öfteren dachte ich in den vergangenen zwei Wochen, ich würde meine Tage bekommen, jedes Mal blieben sie aber aus und ich mit dem Zweifel zurück, ob ich meinen Körper überhaupt noch deuten kann.

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Ich trau mich mittlerweile kaum noch aus dem Haus, weil ich nicht weiß, wann die Schmerzen das nächste mal zuschlagen und wann ich meine Tage bekomme. Gestern musste ich auf einem Campingplatz arbeiten, ohne direkte Toiletten-Erreichbarkeit. Das hatte schon ein bisschen was von einem Thriller. Wird sie es überleben oder nicht? Hat sie. Aber der Nervenkitzel war den ganzen Tag da.

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Und auch diesmal muss ich mir Kommentare anhören wie: „Leg die Füße hoch, mach dir ein Kirschkernkissen warm und entspann dich einfach“

„Entspann dich einfach.“ Ich krieg bei dem Kommentar echt das kalte kotzen.

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Die Schmerzen sorgen dafür, dass ich mir denn Gang zur Toilette genau überlege. Den Gang, der mittlerweile fast auf die Minute genau, alle zwei Stunden ansteht, weil ich seit Wochen so einen Druck auf der Blase habe. Ich führe mittlerweile Tagebuch wie häufig ich die Toilette aufsuche, weil ich dachte, ich würde mir das einfach einbilden, dass es so oft geworden ist. Nein, tue ich nicht. Alle zwei Stunden, fast auf die Minute genau, sagt meine Blase nun hallo. Mittlerweile werde ich auch nachts wach, weil die Blase drückt, aber da schaff ich es auf durchschnittlich immerhin noch etwa fünf Stunden.

Letztes Jahr noch, reichte es mir, wenn ich morgens einmal gegangen bin, mittags irgendwann und abends vor dem Zubettgehen. Ich gehörte nie zu den Frauen, die Sorgen haben mussten, dass sie in der Nähe kein Klo finden. Mittlerweile krieg ich Panik, wenn ich weiß, es ist kein Klo verfügbar für die nächsten Stunden.

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Die erste Hälfte des Tages war normal. Ich hatte früh morgens das Gefühl, meine Tage könnten sich ankündigen, dann viele Stunden nicht mehr und plötzlich zum Abend hin, tauchte dieser Schmerz wieder auf. Nun kann ich nicht mehr gehen, nicht mehr aufrecht stehen und eigentlich nur mit angewinkelten Beinen liegen oder sitzen.

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Gerade eben bin ich zur Toilette, weil die Blase so drückte. Raus kam gefühlt wieder nichts… dafür sackte der Kreislauf zusammen und für einen Moment dachte ich, ich breche gleich auf dem Klo zusammen. Klasse Vorstellung beim pinkeln von der Toilette zu fallen. Fast so gut, wie die Angst, man wird Stück für Stück inkontinter.

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Als ich zurück aus dem Bad kam, wollt ich mir mein Kirschkernkissen warm machen, das entspannt zumindest ein wenig die Muskulatur und macht es etwas erträglicher… tja, ich hab es geschafft, die zwei Meter vom Sofa zur Mikrowelle zurückzulegen, das Kissen in die Mikrowelle zu legen und diese auf drei Minuten einzustellen. Die drei Minuten hing ich dann auf die Arbeitsplatte meiner Küchenzeile gelehnt, in der Hoffnung, nicht zusammen zu klappen, oder mich zu übergeben. Gleichzeitig mit dem Stoßgebet, dass die Schmerzen bitte so bleiben und nicht wieder vollkommen eskalieren.

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Ich hab es auf mein Sofa zurück geschafft. Nun sitze ich hier gekrümmt und schreibe diesen Post. Und währenddessen versuche ich den idealen Grad der Krümmung zu finden, an dem die Schmerzen erträglicher sind, ich mich aber nicht übergeben muss, weil mir der Magen so krass abgedrückt wird.

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Ich habe fürchterliche Angst davor, dass meine Tage jetzt doch noch vor der Op kommen. Mittlerweile wünsche ich mir, dass mein Zyklus so raus ist, dass die Op vor meiner Periode kommt und ich nach der Op dann direkt auf meine neuen Medikamente eingestellt werden kann.

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„Entspann dich mal…“ Das würde ich gerne mal zu den Leuten sagen, wenn sie in meiner Situation wären. Aber ich wünsche es niemandem auf dem Klo zu sitzen und Angst haben zu müssen, dass man beim Urinieren von der Schüssel kippt, weil der Körper und vor allem die Erkrankung, so komische Dinge mit einem machen.

Wenn Covid-19, psychische Erkrankungen und Endometriose auf einander treffen…

Triggerwarnung: Essstörung und andere psychische Erkrankungen.

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Seit etwa 15.45h am gestrigen Tage, sitze ich nun in meinem Zimmer. Mittlerweile über 20 Stunden. Ich ertrage die Nähe zu meiner Familie nicht mehr. Vermutlich auch bedingt durch meine sich ankündigende Periode und dass ich darüber mit Gott und der Welt sprechen kann, aber keinen Bock habe mit meiner Familie zu diskutieren, wie es mir gerade geht..

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Beschissen geht es. Körperlich, aber vor allem mental. Ich will gerade nur noch in meiner Wohnung sitzen und alleine sein. Mich nicht vor meiner Familie verstecken müssen, weil ich aggressiv werde, wenn ich sie sehe.

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Vor etwa einer Stunde sind sie los zum Strand. Ich habe meine Ruhe. Konnte mal kurz runter gehen und meinem Frustfressen voll nachgeben. Das nennt man übrigens Frühstück. Ich hab die letzten Tage nur so „normales Zeug“ wie Joghurt und Brötchen gegessen, weil ich mit meiner Familie gefrühstückt habe. Ich frühstücke sonst so gut wie nie und vor allem nie sowas. Meist esse ich erst um 12 und dann ist es meist schon Mittagessen. Ich habe also nun drei Tage gefrühstückt, wie ich es sonst eigentlich nie tue.

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Jetzt leide ich auch noch vor mich hin, weil die Schmerzen und der Bauch Theater machen, aber auch nicht richtig. Sprich ich weiß, dass ich jetzt heute meine Tage bekommen müsste, aber sie kommen halt eben nicht. Ich bin also auch noch hochgradig von meinem Körper genervt. Frustriert, wie diese ganze scheiße seit Anfang Juni sich entwickelt hat. Krankenhausaufenthalt, Diagnose der Endometriose, mögliche Begleitsymptome, geplante Op, um vier Wochen verschobene Op, …

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Und gleichzeitig sehe ich meinen Kontostand: 300€. Auf dem Ec-Konto kann ich 200€ minus machen, auf dem Kreditkarten 100€ Minus. Ein paar Wochen komm ich damit noch hin, aber schön ist das alles nicht. Arbeiten gehen kann ich aktuell auch nicht wirklich. Ich kann einzelne Tage zusagen, alles Richtung Festanstellung, etc kann ich aktuell vergessen. Ich brauch mich nirgends bewerben, weil ich vor Ende September in keinem Fall arbeiten kann. Wenn die Op wieder verschoben wird, dann noch später.

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Hartz4 hätte ich vor Monaten beantragen sollen, damit es nicht so eskaliert. Jetzt ist es eh schon zu spät. Kind liegt schon im Brunnen. Da machen die paar Euro auch keinen Unterschied mehr. Bis Ende des Jahres kann ich meine Schulden beim Staat eh nicht mehr ausgleichen.

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Letztes Jahr habe ich gesagt, dass ich nach Jahren der Angst und der Tiefschläge, endlich sagen konnte: „Ich mag mein Leben. Das ist gut so wie es ist.“ Ich ziehe diese Aussage zurück. Ich finde mein Leben so richtig scheiße und alles andere als Lebenswert.

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Eigentlich könnt ich auch sagen: „Hallo Depressionen. Hab euch nie vermisst und wollte euch nie wiedersehen. Erinnert ihr euch dran, wie ich mal sagte, dass ich das nicht nochmal durchmache, was ich bisher schon durchmachen musste? Glaubt mir, liebe Depressionen, wäre Sterbehilfe in Deutschland legal, ich würde es nutzen. Nach all den Jahren reicht es mir. Ich hab keinen Bock erneut mit euch leben zu müssen. Entweder tut sich auf magische Art und Weise ein Problemlöser für mich auf… oder wir lösen Probleme bald wieder auf unsere Art und Weise. Aber so, ertrage ich das nicht mehr lange…“

Meine Patientenverfügung und wieso ich nicht um jeden Preis leben will

Hast Du dir schon mal Gedanken dazu gemacht, was mit dir passieren soll, wenn Du durch einen Unfall, eine Op oder schwere Erkrankung in Not gerätst und dein Leben am seidenen Faden hängt? Sollen die Ärzte und Rettungskräfte alles tun, was in ihrer Macht steht und dich zur Not künstlich am Leben halten? Oder sagst Du, Du willst nicht zur Matschkartoffel werden und Jahrzehnte vor dich hinsiechen?

Die Frage habe ich mir bereits vor über 10 Jahren gestellt. Damals, als ich den ersten schweren Schub meiner psychischen Erkrankungen hatte, habe ich für mich entschieden, dass ich nicht um jeden Preis am Leben gehalten werden will. Damals habe ich meine erste Patientenverfügung erstellt, nur war diese damals nicht gültig, da ich noch Minderjährig war. Über die Jahre und besonders mit einsetzen der Volljährigkeit, habe ich regelmäßig meine Verfügungen aktualisiert und überdacht.

Viele Jahre war für mich klar: Sehen die Ärzte eine Chance auf ein „normales“ Leben ohne schwerste Behinderungen, egal ob geistiger oder körperlicher Natur, so sollen sie tun, was zu tun ist. Mich reanimieren, mich künstlich beatmen, ernähren, …
Ich wollte nicht um jeden Preis am Leben gehalten werden, aber auch nicht sterben, wenn es eine Chance auf‘s Leben gibt.

Irgendwann habe ich meine Sicht auf die Dinge geändert. Radikal.

Ich wünsche keinerlei Lebenserhaltende Maßnahmen.

Keine Reanimation, keine Beatmung, keine Ernährung, nichts. Einzig eine Schmerztherapie dulde ich, um nicht in der letzten Zeit auch noch leiden zu müssen.


Diese Sicht habe ich 2017 zum Ausdruck gebracht, als ich das erste Mal in meinem Leben, meine Familie als Bevollmächtigte unterschreiben lassen habe. Jede Verfügung zuvor war von mir unterschrieben und auch auf die Familie ausgestellt, aber nie von dieser unterschrieben worden. Ich hatte im Organspendeausweis immer die Notiz, dass es die Unterlagen gibt, damit es nicht heißen würde: Aber es wusste doch niemand davon.

Heute habe ich die Unterlagen erneut unterschrieben. Überall steht ein neues Datum und eine erneute Unterschrift, über oder unter der alten Unterschrift. Einmal mehr habe ich bekräftigt, dass dies mein Wille ist.
Wieso ich das ausgerechnet heute getan habe?
Im Zuge der Op-Aufklärung kam in einem Fragebogen für die Anästhesie, die Frage, ob es Verfügungen gibt. Da ich diese angegeben habe, musste ich sie nun raussuchen um sie morgen mit in die Klinik zunehmen. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich sie mir nochmal durchgelesen und erneut unterzeichnet. So weiß auch jeder, dass es mir Ernst um diese Angaben ist.

Für viele, gerade jüngeren Alters, ist dies nicht nachzuvollziehen. Viele Menschen um mich herum haben noch nicht mal solche Verfügungen, geschweige denn, dass sie mal drüber geredet haben, was sie sich wünschen würden. Ich habe Freunde, die mir ins Gesicht sagten: „Ich will mich damit nicht beschäftigen. Ich finde das ein so trauriges Thema.“ Ich wünsche diesen Menschen, dass sie ihren Familien so sehr vertrauen, dass diese für sie entscheiden könnten. Für mich und meine Familie war das nie so klar. Ich war mir nie sicher, ob sie in meinem Sinne entscheiden würden. So war es für mich also auch immer klar, diese Sachen selbst in die Hand zu nehmen, zu entscheiden, festzuhalten und auch drüber zu reden.
Meine beste Freundin hat von mir definitiv schon mal gehört, dass ich nicht um jeden Preis am Leben gehalten werden möchte. Vor allem aber weiß sie, dass es die Verfügungen gibt. Ein Mensch mehr, der im Zweifel sagen könnte: „Marie hat alles geregelt.“

Wieso möchte ich keinerlei Lebenserhaltende Maßnahmen?

Ich werde in wenigen Wochen 26 Jahre alt. Gleichzeitig bin ich mittlerweile über 13 Jahre psychisch erkrankt. Vor über 13 Jahren haben sich die ersten Symptome entwickelt. Heißt am Ende des Tages nichts anderes als: Über die Hälfte meines Lebens muss ich gegen die Dämonen meiner Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft kämpfen. Über die Hälfte meines Lebens lebe ich ein nicht wirklich altersgerechtes Leben. Meine erste Liebe war, glaube ich, das einzige, was normal an mir war. Ich habe keine wirkliche Jugend erlebt, denn zu der Zeit habe ich das erste Mal gegen Suizidgedanken gekämpft und war in der Psychiatrie. Als ich 18 wurde, stand ich nicht vor der Frage: Was willste jetzt nach der Schule machen? Ich war schon 3 Jahre aus der Schule raus, hatte keinen Schulabschluss und habe durch Zufall einen Job gefunden für den ich mich selbstständig gemacht habe. Mit 18 musste ich mein Freiberuflerleben organisieren, während andere durch die Welt reisten, oder sich Gedanken machten, was sie nun studieren sollen. Mit 25 Jahren stand ich auf eigenen Beinen, war von niemandem abhängig und kam zum ersten Mal so richtig mit dem Leben klar… und dann kam Corona und nahm mir wieder alles weg.

Dazwischen liegen unzählige Tage, an denen ich mich auf viele erdenkliche Arten und Weisen selbstverletzt habe. An denen ich bewusst gehungert habe. An denen ich alles greifbare an Essen in mich gestopft habe. Tage, an denen ich heulend im Zimmer lag und keine Luft mehr bekam, weil ich wieder eine Panikattacke hatte. Tage, an denen ich auf der Autobahn bei 150km/h überlegt habe, einfach das Lenkrad loszulassen. An denen ich nicht über eine Brücke gehen konnte, ohne nicht den Gedanken zu haben, hinunter zu springen. Und die Tage, an denen ich mir versucht habe die Pulsadern aufzuschneiden. Tage, an denen ich mit meinem Leben abgeschlossen habe.

Gerade erst, vor zwei Wochen etwa, telefonierte ich mit meiner Mutter und irgendwann brach es aus mir heraus, wie sehr ich die aktuelle Situation hasse. Aber vor allem, dass ich nicht verstehe, wieso ich immer und immer wieder in meinem Leben kämpfen muss. „Ich habe genau das gleiche schon zu Bekannten gesagt. Ich verstehe nicht, wieso dich das eigentlich immer alles so trifft. Wieso Du immer so viele kämpfen musst und es nicht mal einfach haben kannst.“ Das sagte meine Mutter zu mir. Die Frau, die mich 25 Jahre in diesem Drama erlebt hat. Die viel auch mit an diesem Drama Schuld hat. Aber selbst sie sieht, dass es ganz schön auffällig ist, wie viel ich in meinem Leben kämpfen musste.

„Es gibt eben Menschen, denen fällt das Glück in den Schoß und es gibt die, die für jedes kleine bisschen Glück kämpfen müssen. Aber das sind dann auch die wahren Kämpfer des Lebens.“ Diese und ähnliche Aussagen habe ich schon so oft gehört, ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft. Doch was ist, wenn ich nicht diese „wahre Kämpferin“ sein will? Wenn alles wonach ich mich sehne, ein langweiliges Leben ist?

Ich habe so viel durchgemacht und war an den tiefsten Punkten, die das Leben zu bieten hatte. Ich habe zwei Suizidversuche hinter mir, die niemand mitbekommen hat, bis ich irgendwann davon berichtet habe. Ich habe den Abgrund nicht nur gesehen, ich bin hinein gesprungen. Mich hat nur damals so ein blöder Felsvorsprung davon abgehalten, unten auf den Boden aufzuschlagen.

Klar könnte ich sagen: Ich kann als Vorbild für andere durch die Welt gehen und sagen, dass man das überleben kann und da wieder raus finden kann…hab ich ja oft genug. Aber was ist, wenn ich müde vom kämpfen bin und nicht mehr um jeden Preis kämpfen will?

Wenn ich mir aktiv versuche das Leben zu nehmen und das jemand mitbekommt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ich mich in einer Klinik wiederfinde und mir die Kontrolle über mein eigenes Leben abgesprochen wird, vor allem aber andere über mich und mein Leben entscheiden. Etwas, was ich nie wollte und auch weiterhin nicht will. Geht in der Op etwas schief, ich habe einen Unfall oder werde plötzlich schwer krank, so nehmen mir andere Leute die Entscheidung über mein Leben nicht mehr ab, weil ich die Verfügungen habe. Ich habe entschieden, wie ich in solch einem Fall behandelt werden möchte. Diese Entscheidung treffe ich und niemand anderes für mich.

Ich kämpfe jeden Tag gegen meine Dämonen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft und ich kämpfe jeden Tag gegen die verführerische Dunkelheit, die aus dem Abgrund hoch ruft, dass ich es bei ihr doch so viel besser habe.
Doch in Situationen, in denen ich nichts dazu beigetragen habe, dass sie sind wie sie sind, möchte ich nicht mehr zum kämpfen gezwungen sein. Dann möchte ich einfach in Ruhe und Frieden sterben dürfen.

Nicht dass ich darauf hoffe, dass die Op morgen schief geht.. aber es ist gut zu wissen, dass man im blödesten Falle nicht mehr kämpfen muss, sondern den Kampf ein für alle male beenden kann.

Wenn man nur einen Link auf Facebook teilen will und einen mentalen Striptease hinlegt

Eigentlich wollte ich auf meinen privaten Facebook-Profil nur den Link zu den Blog-Einträgen über die Hochzeit teilen. Dann wollte ich sie aber nicht ohne jede Erklärung posten, weil es Menschen bei Facebook gibt, die nichts von meinen Erkrankungen wissen, bzw jetzt wussten. Und plötzlich kam ein Kilometerlanger Text bei herum, den ich euch auch posten mag.

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Was ich tue; was ich über mich preisgebe und mit wem ich, wann und wo kommuniziere, haben ja noch nie so wahnsinnig viele Leute verstanden. Doch wie brachte es meine beste Freundin mal vor gar nicht so allzu langer Zeit auf den Punkt?

„Ich würde es nicht so tun wie du, aber solange es dir hilft und du dich gut damit fühlst, ist doch alles gut.“

Was auf Instagram seit Jahren so normal für mich ist, weil dort irgendwie noch eine gewisse Anonymität besteht, obwohl viele aus meinem privaten und beruflichen Umfeld dort mein Profil gefunden und abonniert haben, ist auf Facebook immer noch irgendwie eine Hürde. Weiß ich hier doch, dass es wirklich nur Freunde, Arbeitskollegen und gute Bekannte sehen können. Doch irgendwie mag ich euch nicht außen vorhalten. Auch hier soll die offene und ehrliche Marie ihren Klartext sprechen… so wie sie es seit Jahren schon auf Instagram tut und seit der Corona-Krise auch wieder in Form eines Blogs.

Warum ich das tue? Ich muss die Gedanken aus meinem Kopf rauslassen, dass habe ich in den über 13 Jahren gelernt, die ich nun mit meinen psychischen Erkrankungen lebe. Tue ich es nicht, fresse ich sie solange in mich hinein, bis ich zusammenbreche und aufgebe. Meine Gedanken und Gefühle habe ich schon vor vielen Jahren in Form vom Musik machen ausgelassen. Seit mittlerweile sechs Jahren schreibe ich auf Instagram über mein Leben, habe in der Zwischenzeit zwei Blogs gehabt und veröffentlichte hin und wieder Videos über mich und mein Leben, auf YouTube.

Doch nicht nur ist es eine Art Selbsttherapie, nachdem in all den Jahren zwei Klinikaufenthalte und die etlichen Versuche ambulante Therapien zu bekommen, grandios gescheitert sind. Es ist auch eine Art von Aufklärungsarbeit. Als ich vor 13 Jahren gemobbt wurde, hatte ich nicht die Möglichkeit nach Erfahrungsberichten zu googeln. Als ich das erste Mal in die Klinik kam, haben viele, heute erfolgreiche, YouTuber noch nicht mal ihre Channels eröffnet gehabt. Es war eine Zeit, da konnte man Mutti und Vati um Rat fragen, hätte man ein gutes Verhältnis gehabt. Freunde konnten ihre Meinung kund tun, doch wirklich helfen konnte einem niemand, weil die wenigsten das erlebt haben, was ich durchlebt habe.

Heute sind Millionen von Menschen auf Plattformen wie YouTube, Instagram, Twitter, etc unterwegs. Unter diesen Millionen von Menschen sind vor allem viele der jüngeren Generationen vertreten. Viele tippen heute bei einer Plattform ihrer Wahl, das Thema ein, das sie brennend interessiert. Die erste Liebe, Mobbing, Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, aber eben auch Essstörungen, Depressionen, Svv, … werden gesucht. Zum großen Teil um Erfahrungsberichte zu bekommen und zu sehen, wie andere Betroffene mit den Erkrankungen und Problemen leben. Ob es einen Weg aus der Dunkelheit gibt.

Hier kommen wir ins Spiel. Wir, die Menschen, die diesen Weg schon gegangen sind. Die in den dunkelsten Ecken des Lebens saßen, mit dem Rücken zur Wand und die kein Licht gesehen haben. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn man mit seinem Leben abgeschlossen hat. Und wir wissen auch, wie hart der Weg aus dieser Dunkelheit ist. Wie viele Versuche man braucht, aufzustehen und die Tür zu suchen, die aus der Dunkelheit führt. Wir können davon berichten. Über den steinigen, aber gehbaren Weg, von dem leider viel zu viele Menschen nicht mehr erzählen können, weil sie ihn in der Dunkelheit nicht gefunden haben. Wir können aufklären. Heute mehr denn je zuvor.

Ich habe die Hochzeit meines Bruders überlebt. Dazu gab es im Vorfeld, am Tag danach und mit zwei Tagen Abstand Blog-Einträge. Einer fehlt noch, der über den zweiten Hochzeitstag. Und das Gefühl alles in einem YouTube-Video zu erzählen, für die, die lese faul sind, wird größer. Wahrscheinlich kann man sich das lesen also sparen und einfach noch ein paar Monate warten, bis das passende Video kommt.

https://kleinekaeferin.blog/2020/07/25/warum-ich-familie-hasse-und-wie-schnell-ich-in-panik-verfalle/

https://kleinekaeferin.blog/2020/08/01/die-hochzeit-meines-bruders-und-wieso-ich-eine-woche-vorher-schon-panikattacken-bekomme/

https://kleinekaeferin.blog/2020/08/09/wie-ich-die-hochzeit-meines-bruder-ueberlebt-habe-tag-1-2/

https://kleinekaeferin.blog/2020/08/10/brief-an-meine-schwaegerin/

https://kleinekaeferin.blog/2020/08/10/brief-an-meinen-bruder/

Fühlt euch frei, euch durch den Blog zu lesen, auf Instagram zu den nicht-anonym-Anonymen zu gehören, Twitter mal anzuheizen, oder meine YouTube-Videos zu schauen, weil ihr keinen Bock auf‘s lesen habt. 😉 Verlinkt ist alles im Blog!

Und falls es unter euch Leute gibt, die bisher nicht offen über ihre Probleme geredet haben: Glaubt mir, dass wird mit der Zeit immer einfacher. Man muss nur den Anfang machen und es einmal aussprechen. Von da an wird es immer einfacher über die Jahre.

Brief an meinen Bruder

Dies ist einer von zwei Briefen, die dem Hochzeitsgeschenk meines Bruders und seiner Frau bei lagen.
Ich habe ihnen 50€ geschenkt, geheftet an einen Gutschein für‘s Babysitten, wenn mein Neffe demnächst da ist, damit die beiden sich dann mal einen schönen Abend machen können. Doch irgendwie war mir das von Anfang an zu unpersönlich…

Ich habe Wochenlang mit diesen Briefen gekämpft. Der meiner Schwägerin ging mir am Tag der kirchlichen Trauung locker von der Hand (auf den letzten Drücker arbeiten, klappt manchmal halt doch besser), doch der meines Bruders… Lest selbst.

Namen sind durch Punkte ersetzt, weil ja nicht jeder direkt alles über unsere Familie wissen muss. 😉

Den Brief an meine Schwägerin findet ihr hier: https://kleinekaeferin.blog/2020/08/10/brief-an-meine-schwaegerin/
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So großer Bruder..

…‘s Brief ging mir recht locker von der Hand, mit deinem kämpfe ich seit Wochen. Nichts von dem, was ich bisher geschrieben habe, schien gut genug für dich zu sein. Tausendmal überarbeitet, tausendmal gegrübelt, ob ich es dir so überhaupt zukommen lassen kann.

Ich bin gespannt, ob … dir von sich aus den Brief zeigen wird, den ich ihr geschrieben habe… Sollte sie es tun, könntest Du erahnen, wieso ich mir mit deinem so schwer getan habe. Vielleicht behält sie den Inhalt des Briefes aber auch für sich und Du wirst auf deinen Brief warten müssen. So oder so…
Ein wenig wirst Du dich noch gedulden müssen, bis dein Brief fertig ist. Vielleicht bis nächste Woche, vielleicht bis … endlich da ist und vielleicht wird es noch Jahre brauchen. Ich muss das Gefühl haben, dass ich dir den Brief so zukommen lassen kann und er perfekt ist.. und mein Anspruch an Perfekt dir gegenüber ist ein anderer, als vielen anderen Menschen gegenüber.

So viel kann ich bis hierhin aber sagen: Ich bin unfassbar froh, dass … nun offiziell Teil der Familie … ist. Dir ist ja immer schon das Glück in den Schoß gefallen und in dem Fall wurde das wieder bestätigt. Eine Frau wie … bekommt nicht jeder Mann ab.
Pass gut auf diese wertvolle Frau auf und vor allem jetzt erst Recht, wo … demnächst ja auf die Welt kommt und möglichst lange was von seinen tollen Eltern haben soll.

Ich bin mir sehr sicher, dass Du und … großartige Eltern werdet. Du wirst dem Zwerg das nötige Selbstbewusstsein verpassen und … wird ihm die weltoffenen Arme vermitteln, die der Zwerg in dieser Welt gut brauchen kann… und wann immer es um die verrückten Dinge des Lebens geht, könnt ihr die verrückte Tante anrufen und ich kümmer mich drum, dass … die Verrücktheiten des Lebens kennenlernt. Tut mir ja leid für ihn, dass er nicht einen Pool aus verschiedenen Tanten haben wird, sondern nur die verrückte, aber da muss er nun durch.

Ich freu mich für dich und dein Glück! Halt lang daran fest!

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Ich bekam schon am nächsten Tag eine Antwort auf diesen Brief, via WhatsApp:
„Vielen vielen Dank! Haben uns sehr gefreut! Bin gespannt auf den zweiten Brief :* “
Die Antwort kam von keinem geringeren als meinem Bruder. Ich habe wohl alles richtig gemacht mit den zwei Briefen.